Blüten statt Tropfen

30. Dezember 2015 um 03:46

Oli* ist Cannabis-Patient in Österreich. Eigentlich bekommt er Dronabinol, also THC in Tropfenform. Weshalb, so sagt er, sei seine Privatsache, er rede nicht gerne über seine Krankheit. Worüber er aber gerne redet, ist die unerträgliche Situation in Österreich, wo der Staat zwar echtes Gras zur Dronabinol-Herstellung anbauen lässt, die Cannabispatienten aber nicht mal eine Ausnahmegenehmigung für eine Therapie mit den in Wien angepflanzten Blüten erhalten können. Was in Deutschland schon seit 2009 möglich ist, ist im eigentlich Hanf-freundlichen Österreich auch 2016 noch nicht legal.

Wiener Hanfdamen im Aktenschrank

28. Oktober 2015 um 10:41

WienerHanfDamenDer Bedarf nach der hinter dem Alkohol meist gebrauchten, psychoaktiven Substanz wächst ständig. Weil der Cannabis-Anbau  in den meisten Gegenden der Welt aber seit 1961 illegal ist, kommen Technik und Innovationen nicht aus Wissenschaft und Forschung, sondern aus dem Verborgenen. Seit Jahren wird immer weniger aus klassischen Anbauländern wie Marokko, Afghanistan oder Kolumbien nach Europa geschmuggelt. Der europäische Cannabis-Schwarzmarkt blüht unter Kunstlicht. Viele bauen Gras für den Eigenbedarf an. Einige auch aus medizinischen Gründen, andere produzieren für den Schwarzmarkt. Das benötigte Know-how und die Technik sind ungeachtet der Motivation identisch, verboten ist es ohnehin. Auch für Carlos*, der bis vor wenigen Monaten nicht mal eine Yucca-Palme sein Eigen nennen konnte, war der Weg vom Greenhorn zum grünen Daumen nur die logische Konsequenz von Streckmitteln und überteuertem Weed.

Über 30 Grad wird es heikel

28. Oktober 2015 um 10:10

30-GradMein letzter Wien-Besuch hat mich nach der Stippvisite bei Carlos* auch wieder zu Sebastian* geführt, den ich vor ziemlich  genau einem Jahr (siehe Ausgabe 05/2014: Bonanza – eine kleine, aber feine Farm) schon einmal besucht hatte. Sebastian baut in einer Bonanza-Box auf knapp 0,4 m2 Cannabis an und empfängt mich bei meinem insgesamt dritten Besuch im siebten Bezirk schon wie einen alten Bekannten.

Drogenpolitik fängt in den eigenen vier Schrankwänden an

2. September 2015 um 08:15

Mein erster Besuch bei Holle* liegt jetzt gut zwei Jahre zurück. Der End-Dreißiger hatte mich damals nicht nur mit selbst Ehrensache selektierten Strains beeindruckt, sondern auch durch das politische Anliegen, das er mit seinem illegalen Hobby verbindet. Holle ist Überzeugungstäter, er baut sein Gras nicht nur an, weil er gerne kifft. Tagsüber geht er einem „eher öden Job“ nach, abends widmet sich der ambitionierte Hobbygärtner seinem Schränkchen, das er mit viel Liebe und Sorgfalt selbst zusammengezimmert hat. Bei meinem ersten Besuch hatte er gerade aus Marken-Seeds eigene F1-Strains produziert. Dazu hatte er die Männchen auf dem Balkon ausblühen lassen und die Buds nach dem Bestäuben in Klarsichtfolie eingewickelt, um nebenstehende Pflanzen nicht mit zu bestäuben. Den männlichen Pollen hat er dabei mit einem Pinsel außerhalb seiner Growbox aufgetragen. Das Ergebnis waren ein paar hundert Samen, von denen er heute noch „zehrt.“

Der Freund und Helfer

2. September 2015 um 07:40

Orhan* wohnt in Hamburg und hat erst vor ein paar Monaten angefangen zu growen. Als ich ihn besuche, erwartet er mich Freund-und-Helfer mit seinem Freund und Tutor Dirk in der Küche. Während wir die obligatorische Begrüßungstüte rauchen, erfahre ich, dass Dirk seinen Kumpel erst auf die Idee gebracht hat, vom Haschkunden zum Selbstversorger aufzusteigen. Dirk ist erfahrener Indoor-Gärtner, der früher schon einmal ein paar mehr Lampen betreut hat, derzeit aber die Finger vom ehemaligen Hobby lassen muss. Um nicht ganz ohne gutes Gras dazustehen, hat Orhan dann grünes Licht für einen Mini-Grow in seinem Wohnzimmer gegeben. Unter der Bedingung, dass sein Kumpel ihn anlernt und bei technischen Fragen berät.

Indoorkunst aus Bayern

1. Juli 2015 um 07:31

(02) IndoorkunstIn Bayern ist der Anbau von Cannabis angesichts der drakonischen Strafen noch viel verbotener als in den meisten Teilen der  Republik. Der hohe Repressionsgrad ist Grund für die Paranoia, die in Bayern und auch in Baden-Württemberg herrscht, verfolgen die Ermittler doch hier selbst kleine Kiffer bis in die eigenen vier Wände. Deshalb wollte mich Froanz* nicht in seiner Wohnung empfangen, sondern hat ein Treffen über einen gemeinsamen Bekannten arrangiert, der mir eine CD mit den Details seiner Zuchterfolge überreichen und einige Fragen zu Froanz‘ Grow beantworten sollte. Also habe ich mich irgendwo in einem Münchner Café mit dem Schorsch*, der gerne mal von den Blüten seines Freundes nascht, getroffen.

Der Affe, aus dem ein Biber wurde

1. Juli 2015 um 06:59

Was haben Grower eigentlich gemacht, bevor es Indoor-Zelte ga(07) Monkey-Tischb? Die meisten haben sich mit Selbstbau-Lösungen beholfen,  schließlich war der Anbau unter Licht, anders als heute, lange noch kein Massenphänomen. Doch schon wenige Jahre nach dem Auftauchen der ersten Growshops gab es in der Nähe von Heidelberg ein paar Enthusiasten, die neben NFT (Nährstoff-Filmtechnik) – Tischen auch die erste komplette Plug & Play Lösung entwickelt hatten. Zugegeben, das ganze war damals ein bisschen kompliziert aufgebaut und insgesamt sehr schwer, aber es hat prima funktioniert. Einige dieser alten Schränke, die damals unter dem Namen „Monkey“ bekannt wurden, erweisen ihren Besitzern bis heute treue Dienste.

Zehn Dinge, die man im Growshop selten oder nie hören wird

29. April 2015 um 06:09

10-Growgeheimnisse-(03)Trotz des illegalen Status von Cannabis haben sich in Deutschland und im Rest von Europa in den vergangenen 20 Jahren  zahlreiche Growshops etabliert. Mittlerweile gibt es fast in jeder mittelgroßen Stadt im deutschsprachigen Raum einen Laden, der wenigstens die Basis-Ausrüstung für Hobbygärtner anbietet. Wer allerdings im Growshop Hilfe bei Problemen mit der illegalisierten Zucht sucht, darf keine Antwort erhalten, denn Tipps wären juristische Beihilfe zu einer Straftat. Wurde die Rechtslage in den Anfangszeiten der Shops noch nicht so streng interpretiert, tut 2015 jeder Inhaber eines Szene-Shops gut daran, die Worte Hanf, Cannabis, Gramm, Gras, Hasch, BHO zumindest aus dem Ladenbereich zu verbannen. Denn im Laufe des letzten Jahres gab es mindestens gegen drei deutsche Shops und deren Kunden polizeiliche Ermittlungen, weil Angestellte oder Inhaber zum Cannabis-Anbau beraten haben sollen.

Von draußen nach drinnen

28. April 2015 um 12:19

Outdoor-2015-(01)Gabriel* wohnt in einer deutschen Großstadt und ist ein echter Guerilla-Farmer. Er baut seit Jahren immer mal wieder ein wenig Weed für den eigenen Bedarf an. Mal draußen, mal drinnen und in diesem Fall In- sowie Outdoor in einem Erntezyklus. Ich habe ihn im vergangenen Jahr während der Erntezeit besuchen dürfen.

Schmerzfrei dank 0,36m² Gras

4. März 2015 um 13:43

Der ersten europäischen Grower-Generation Mitte der 90er war der Anbau von Cannabis als Medizin, anders als US-amerikanischen Indoor-Pionieren, so gut wie unbekannt. Die meisten wollten nur kiffen, einige auch ein wenig selbst ergärtnertes Gras verkaufen. Doch der Boom der letzten Jahre im Grow-Business ist auch eine Folge der strikten Handhabe
von medizinischem Cannabis in Deutschland.