Editorial

1. Juli 2015 um 05:43

„Der Revolutionär muss imstande sein, das Gras wachsen zu hören.“

(01) thcene-201504Dieses Zitat stammt von dem deutschen Philosophen, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischen Journalisten und  Kapitalismuskritiker Karl Marx (1818-1883).

In Zeiten einer nicht enden wollenden globalen Finanzkrise voller Bank-Skandale, überschuldeter Staaten und Privathaushalte, Arbeitslosigkeit und Austeritätspolitik scheint Marx mit seiner Aussage „der Kapitalismus wird an sich selbst zugrunde gehen“ am Ende doch noch recht zu behalten.

Offiziell geht es beim “War on Drugs” – den europäische Politiker lieber vorsichtig als “Drogenpolitik” bezeichnen – ja um das Wohl und die Gesundheit der Gesellschaft und jedes Einzelnen.

Die Realität sieht allerdings ganz anders aus. Der Krieg gegen die (illegalen) Drogen hat mehr Opfer gefordert und für mehr Leid gesorgt, als das irgendeine Droge (von legalem Alkohol und Nikotin mal abgesehen) jemals könnte.

Wenn man sich mit der Geschichte der internationalen Drogenpolitik (die mit der Single Convention on Narcotics 1961 unter der Führung der USA weltweit etabliert wurde) genauer beschäftigt, stellt man schnell fest, dass von Anfang an politische und wirtschaftliche Interessen hinter der Prohibition steckten – und nicht etwa das Wohlergehen der Menschen. Verfolgt man die Spur der Milliarden, die mit dem illegalen Drogenhandel gemacht werden, landet man schnell bei den Zentren der internationalen und “freien” Märkte wie der Wall Street und den ach so seriösen Grossbanken, die alle munter mitmischen und dabei grossartig daran verdienen, während Konsumenten, Kranke und Kleindealer verfolgt, instrumentalisiert und bestraft werden.

Glücklicherweise werden immer mehr Leute wach und sich bewusst, dass das kapitalistische System – von dem wir zur Zeit alle noch mehr oder weniger abhängig sind – nur für eine kleine Elite (auf Kosten des Planeten und eines Großteils der Erdbevölkerung) funktioniert. Immer mehr Menschen beginnen sich zu organisieren und fordern eine weitgehende gesellschaftliche und politische

Veränderung des Status Quo.

Die Hanfszene ist Teil dieser Gegenbewegung und sollte sich dessen auch bewußt sein. Immer öfter hört man das Argument, mit Cannabis ließen sich Hunderte Millionen Steuereinnahmen gewinnen. Das ist richtig, sollte aber auf keinen Fall der einzige und treibende Grund sein, warum man die Re-Legalisierung fordert und sich aktiv dafür einsetzt. Die Forderung lautet seit jeher „Legalize it!“ – und zwar uneingeschränkt. Hanf ist das passende Symbol und Produkt für eine grüne(re) und nachhaltige(re) Zukunft.

Cannabis ist gleichzeitig Heil-, Genuss- und Nahrungsmittel und ein nachwachsender Rohstoff für zahllose Produkte des alltäglichen Lebens. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Hanfszene ihrer Wurzeln bewusst bleibt und sich nicht vom System (ein)kaufen lässt. Wir brauchen keine Welt der Coffeeshop-Franchise-Unternehmen oder eines Sorten-Brandings, in der ein Gramm Medizin immer noch 15 Euro und mehr kostet und somit für viele Hilfsbedürftige einfach unerschwinglich bleibt.

Marx hatte sicher recht – als Revolutionär muss man geduldig und „imstande sein, das Gras wachsen zu hören.“

Inzwischen ist es aber an der Zeit, das Gras auch wachsen zu lassen.

Editorial

28. April 2015 um 11:39

thcene-201503Die Haltung deutscher Politiker zum Thema Hanf-Legalisierung gleicht zur Zeit einem gesellschaftlichen Tauziehen – auf der  einen Seite bemühen sich Volksvertreter wie die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (die vor einem Jahr mit ihrem Vorschlag für ein Modellprojekt, der Debatte um die kontrollierte Abgabe von Cannabis einen gehörigen Schub versetzte) um neue Ansätze, die unserer Zeit und der sozialen Realität angepasst sind. Auf der anderen Seite hingegen setzen Hardliner wie Berlins Innensenator Henkel weiterhin auf die Prohibition, verstärken diese noch zunehmend und ignorieren damit den gesellschaftlichen Wandel, der sich mittlerweile aber immer schwerer übersehen lässt.

Und in gewisser Weise erreichen sie damit genau das Gegenteil, denn die Hanfszene hat sich auch in Deutschland in den letzten Jahren aus dem Untergrund und der Gegenkultur heraus zu einer starken, sozialen Bewegung entwickelt und ist bundesweit (mehr oder weniger gut) organisiert. Unbedachten Hardliner-Aktionen (wie den Grossrazzien im Görlitzer Park in Berlin) wird anstelle von Angst mit öffentlichen “Kiff-Ins” begegnet, zu denen hunderte Teilnehmer erscheinen und somit zivilen Ungehorsam auf friedliche Weise demonstrieren. Trotz der Bedrohung durch eine Strafverfolgung äußern sich immer mehr Menschen und Patienten öffentlich über ihren Cannabiskonsum und organisieren sich in Patientenver- einigungen, Cannabis Social Clubs oder anderen Verbänden und fordern die längst überfällige Re-Legalisierung der uralten Nutzpflanze Cannabis.

Im Mai bietet der “Global Marihuana March” auch in diesem Jahr wieder bundesweit die Möglichkeit, mit Tausenden von Gleichgesinnten für eine Beendigung der Prohibitions-Politik und eine vollständige

Legalisierung von Cannabis zu demonstrieren. Am 8. August folgt dann unter dem Motto „Nutzt Hanf!“ Deutschlands größte Legalize!-Demo – die mittlerweile schon traditionelle Hanfparade in Berlin.

Was ausgerechnet im Ursprungsland des “War On Drugs” mittlerweile Realität ist (die weitreichende Legalisierung und kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene für den Freizeitgebrauch und die medizinische Anwendung) lässt sich auch hier in Europa durchsetzen. Allerdings müssen wir dran bleiben und Repressionen mit entsprechendem Gegendruck begegnen – und nicht nur auf Demonstrationen Zusammenhalt demonstrieren.

Editorial

4. März 2015 um 10:38

thcene-201502Zunächst könnte man meinen, es gäbe Grund zur Hoffnung für all jene Menschen in Deutschland, die Cannabis als Medizin  nutzen.

In einem Interview mit der Zeitung Die Welt kündigte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler jüngst an, dass die Regierung noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf zur Kostenübernahme von Cannabis-Präparaten und -Blüten durch die Krankenkassen in den Bundestag einbringen wird. Damit reagieren Merkel, Mortler & Co auf den Druck vom Deutschen Hanfverband, dem Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin und der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin – und auf Umfrageergebnisse, nach denen über 80% der Befragten für Patienten einen leichteren Zugang zu Cannabis als Medizin fordern.

Ankündigungen wie diesen sollte man allerdings mit Skepsis begegnen – lässt sich den vagen Statements zufolge doch vermuten, dass die Politik hier nicht von der Freigabe von medizinischem Cannabis redet, welches man dann auch in der eigenen Wohnung oder im Garten ziehen könnte, sondern vor allem von teuren synthetischen Präparaten wie Dronabinol und Sativex aus den Labors der Pharmaindustrie.

Seit 2006 das Verfassungsgericht entschieden hat, dass die Versorgung von Patienten mit einem notwendigen Medikament durchaus im öffentlichen Interesse liegt und seit der Druck durch Patienten und Öffentlichkeit weiter zunimmt, sieht sich die Bundesregierung immer mehr gezwungen, gewisse Zugeständnisse zu machen. Aber anstatt eine zeitgemäße, notwendige und mutige Politik zu machen, stellt sie sich eher träge an. Die kostengünstigste und beste Lösung (auch den Anbau für den Eigenbedarf zu legalisieren) wird politisch und juristisch bisher blockiert.

Wann man als Freizeitkonsument mit einer Verbesserung der Situation oder gar einer Legalisierung rechnen kann, darüber diskutierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Die wilden Neunziger” einige Pioniere der Bewegung: Autor Mathias Bröckers, Anwalt Mathias Schilo, Richter Wolfgang Neskovic, Hanfparade-Aktivist Martin Müncheberg und Rolf Ebbinghaus vom Hanf Museum Berlin. Die Runde war so interessant und reich an Informationen, dass wir das Ganze schriftlich festgehalten haben – aber auch sonst hoffen wir, Euch mit dieser Ausgabe wieder eine gelungene Mischung Lesestoff geliefert zu haben.

Editorial

31. Dezember 2014 um 21:00

Cover-201501Vor knapp zwei Jahren wurde Cannabis im US-Bundesstaat Colorado sowohl für den medizinischen als auch den Freizeitgebrauch freigegeben – dadurch bekam die weltweite Legalisierungsbewegung eine Dynamik wie selten zuvor.

Ein Jahr nachdem die ersten Hanf-Fachgeschäfte eröffnet haben, in denen Cannabisblüten für Erwachsene frei erhältlich sind, wurde nun erstmals Bilanz gezogen. In einer sehr interessanten Artikelsammlung dokumentiert die “Marihuana Industry Group” – ein Netzwerk von Hanf-Unternehmen in Colorado – anhand von zahlreichen Medienberichten die größtenteils positive Entwicklung der wachsenden, professionellen Cannabisszene.

Zweifellos zeigt der Bericht, dass die neu geschaffene Regulierung viel besser funktioniert als die vorher geltende  Verbotspolitik  und dass die von Anfang an übertriebenen Befürchtungen der Legalisierungsgegner nicht eingetroffen sind. Ganz im Gegenteil. Wer sich Sorgen um die Jugend von Colorado gemacht und in der Angst gelebt hat, Kinder und Jugendliche würden nun zu verstrahlten und demotivierten Cannabis-Zombies mutieren, wurde schnell eines Besseren belehrt. Schließlich nimmt der Konsum von Marihuana unter Jugendlichen in Colorado nicht zu, sondern seit 2009 beständig ab. Kifften vor der Legalisierung noch rund 24 Prozent der Schüler, sind es mittlerweile nur noch 20 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung ließ sich auch in Ländern wie z.B. den Niederlanden beobachten, wo es einen regulierten Cannabismarkt gibt.

Wirtschaftlich hat die neue grüne Industrie einen wahren Boom ausgelöst und dafür gesorgt, dass Colorado die niedrigste Arbeitslosenquote in den USA hat und unter Experten als der Bundesstaat mit der besten Wirtschaftsprognose gilt. Da die nicht unbeträchtlichen Mehreinnahmen durch die auferlegten Steuern aus dem Handel mit Cannabis zweckgebunden sind, konnten bereits finanzielle Mittel in Millionenhöhe in die Prävention, das Schulsystem und die Aufklärung investiert werden. Die Steuereinnahmen belaufen sich in dem

5-Millionen-Einwohner-Staat bisher auf über 100 Millionen Dollar und stellen einen wahren Segen für die Haushaltskasse dar.

Würde man diese Zahlen auf Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern übertragen, könnte man mit Steuereinnahmen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro pro Jahr rechnen. Doch leider hält die Bundesregierung immer noch hartnäckig an ihrer verfehlten Verbotspolitik fest – und verschließt auch weiterhin die Augen vor der sozialen und wissenschaftlichen Realität. So verwundert es nicht, dass die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler, dem Deutschen Hanfverband wegen dessen Legalisierungs-Werbespots (die seit November in über 200 Städten und 361 Kinos laufen) unterstellt, “auf schäbige Art und Weise mit den Ängsten der Menschen zu spielen”.

Colorado zeigt, dass eine Legalisierung von Cannabis glücken und für Staat und Bevölkerung von Vorteil sein kann – sowohl im sozialen als auch finanziellen Sinne. Deutsche Politiker sollten aufpassen, dass sie nicht wieder die Zeichen der Zeit verpassen.

Denn wer zu spät kommt, den bestraft bekanntermaßen das Leben.

Editorial

27. Oktober 2014 um 10:30

2014 wurde immer mehr Menschen das gewaltige Potenzial der Nutzpflanze Hanf bewusst – vor allem der einsetzende drogenpolitische Wandel in den  USA hat diesen Trend in Bewegung gebracht und zu einem weltweiten Umdenken in der Drogenpolitik und im Umgang mit Cannabis geführt. Ein Jahr nach der Re-Legalisierung in Colorado und Washington könnte das Ergebnis kaum besser sein: Die von einigen befürchteten Scharen von “kiffenden Zombies” sind ausgeblieben und der tolerante Umgang mit Cannabis als Genuss – und Heilmittel ist auf ganzer Linie eine Erfolgsgeschichte.

Dabei wird vor allem Cannabis als Medizin immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt und die verpönte Kiffer-Droge gilt auf einmal als natürliches und  wertvolles Heilkraut. Da ist es unverständlich, dass hierzulande selbst Schwerkranke, die ihr Leiden mit Cannabis lindern, indem sie ein paar Pflanzen in den eigenen vier Wänden hochziehen, strafrechtlich verfolgt und mit hohen Geld- und Freiheitsstrafen bedroht werden.

Anlass zur Freude bietet dasgegen das 20jährige Bestehen des Hanf Museum Berlin – um diesen runden Geburtstag gebührend zu feiern, veranstalten wir in Zusammenarbeit mit dem einzigen Hanf Museum Deutschlands ein Gewinnspiel, dass zunächst eine gründliche Suche voraussetzt, denn in dieser Ausgabe sind an verschiedenen Stellen Jubiläumslogos des Hanf Museums versteckt und die gilt es zu finden. Zählt alle Museumslogos, die Ihr finden könnt und schreibt eine Postkarte mit der richtigen Antwort(zahl) und Eurer Postadresse an:

Hanf Museum Berlin
Mühlendamm 5
10178 Berlin

Alle Einsendungen, die das Hanf Museum bis zu seinem 20. Jubiläum erreichen, nehmen an der Preisverleihung zur Geburtstagsfeier teil, die am Samstag, den 6. Dezember im Hanf Museum Berlin stattfindet.

Ansonsten wünschen wir Euch natürlich auch noch tiefenentspannte Feiertage und einen gelungenen Rutsch ins neue Jahr – auf dass die weltweit positive Entwicklung in Sachen Hanf auch 2015 anhält!

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Editorial

29. August 2014 um 09:32

Alle zwei Monate versuchen wir, Euch möglichst viele Aspekte der wohl vielseitigsten Nutzpflanze unseres Planeten zu präsentieren – so waren wir auch diesmal wieder auf der Suche nach interessanten Themen und Interviewpartnern. Und wir haben sie gefunden.

Als die Journalistin und Fotografin H. Lee ihrem Freund nach Humboldt County (dem „grünen Dreieck“ und Zentrum der US-amerikanischen Cannabiskultur)  folgte, wusste sie nicht, dass daraus eine Fotoreportage und schließlich ein Bildband werden würde. Die Bilder unserer
Fotostrecke von H. Lee halten die besondere Atmosphäre dieses Ortes anhand eindrucksvoller Momentaufnahmen rund um die Cannabiskultur fest – wir freuen uns, dass wir die Ersten sind, die diese Fotografien veröffentlichen.

In unserem aktuellen “Expertengespräch” mit Hanfpatient Günter Weiglein wird einmal mehr deutlich, wie wertvoll die Medizinalpflanze Cannabis sein kann. In deutschen Apotheken kostet die grüne Medizin aber immer noch deutlich mehr als auf dem Schwarzmarkt, daher kämpft Günter schon lange gerichtlich für eine „Grow-Genehmigung“ – und nun ist er diesem Ziel einen guten Schritt näher gekommen.

Am 9. August zog die diesjährige HANFPARADE durch Berlin, Tausende forderten „Grünes Licht für die Legalisierung!“ – das fordert auch Hanfpionier und Journalist Mathias Bröckers in seinem neuen Buch Keine Angst vor Hanf. Darin äußert er sich auch zur aktuellen Lage in Deutschland und obwohl es noch viel zu tun gibt, scheint ein Ende des Hanfverbots auch
hierzulande in Sicht zu sein.

Zumindest, wenn wir nicht locker lassen…

 

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Editorial

3. Juli 2014 um 07:03

Seit Monaten überschlagen sich die Neuigkeiten im Bereich der internationalen Drogenpolitik und bisher ist noch kein Ende dieses Trends abzusehen. In den USA hat das Repräsentantenhaus mit 189 zu 219 Stimmen Cannabis für die medizinische Verwendung auf Rezept entkriminalisiert. Das bedeutet, dass Bundesbehörden wie die Drug Enforcement Agency (D.E.A.) und das Federal Bureau of Investigation (F.B.I.) nicht mehr gegen Patienten vorgehen können, die medizinisches Cannabis erhalten – auch Grower und Abgabestellen von Medizinalhanfprodukten sind nun endlich gesetzlich vor einer Strafverfolgung durch die “Feds” geschützt.

Außerdem wird erwägt, Cannabis endlich von einer Klasse 1 (Schedule 1) Droge auf Klasse 2 (Schedule 2) herabzustufen. Dass Cannabis weniger Risiken bietet, als andere Substanzen der Klasse 1, ist auch in den USA allgemein bekannt – doch solange Cannabis hier als Klasse 1 Droge Cover-201404eingestuft ist, ist es (fast) unmöglich, damit auf breiter Fläche Forschung für den medizinischen Nutzen zu betreiben, ohne vorab grosse Hürden überwinden zu müssen. Eine Reklassifizierung würde dazu führen, das medizinische Potenzial von Cannabis ausführlich zu erforschen und es vielen Patienten – die dieses natürliche Heilmittel dringend für die Behandlung oft schwerwiegender, gesundheitlicher Probleme benötigen – auf legale Weise zugänglich zu machen.

Wer jetzt neidisch auf die Situation in den USA ist, braucht nicht zu verzweifeln. Wenn auch deutlich langsamer, tut sich auch hierzulande viel in “der  grünen Frage” – so hat die Bundesopiumstelle z. B. endlich eingestanden, dass der Selbstanbau von ein paar Hanfpflanzen oft die einzige Möglichkeit für Patienten ist, sich mit Medizinalhanfblüten zu versorgen. Grower, die Cannabis in den eigenen vier Wänden anpflanzen und medizinisch nutzen, können nun dieses Recht einklagen.

Es wird sicher noch ein Weilchen dauern, bis es auch hierzulande die ersten Cannabis Social Clubs (wie sie in Spanien schon fast normal sind) und Patienten-Kollektive (die offensiv zu ihrem Konsum und Anbau stehen und diesen auch nach außen hin verteidigen­) gibt – wir glauben, auch in Deutschland steht der Durchbruch kurz bevor. Vielleicht ist das ja schon der letzte Sommer mit Hanfverbot, bevor auch hier endlich grün-blühende Landschaften entstehen und behördliche Ausrutscher wie die Razzien gegen Head- & Growshops in Bremen dauerhaft der Vergangenheit angehörten werden.

Die beste Gelegenheit in diesem Sommer “Grünes Licht für die Legalisierung!” zu fordern, bietet die Hanfparade am 9. August – hier wird zuerst gemeinsam demonstriert und anschliessend ausgiebig gefeiert. Da seid natürlich auch Ihr gefragt und herzlich eingeladen!

Bis dahin wünschen wir Euch einen schönen Sommer und wie immer eine spannende und informative Lektüre

Editorial

1. Mai 2014 um 11:15

Nachdem im US-Bundesstaat Colorado das von Skeptikern befürchtete „Cannabis Chaos“ ausblieb und von Tag eins an unter Beweis gestellt wurde, wie viel Geld mit Cannabis ganz legal auch für die Staatskasse einzunehmen ist, scheint es nun nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch viele weitere US-Bundesstaaten Cannabis als Genussmittel für Erwachsene legalisieren und damit eine drogenpolitische Wende im globalen Maßstab einleiten werden.

Das scheinen inzwischen auch die deutschen Massenmedien erkannt zu haben, die seit Anfang des Jahres vermehrt erstaunlich positive Nachrichten und Reportagen zum Thema Cannabis publizieren – ob nun auf RTL oder Pro7, ob im SPIEGEL oder der ZEIT – die Vorteile einer Cannabislegalisierung scheinen sich herumgesprochen zu haben. Daran konnte auch die Presse-Ente von den ersten zwei „Cannabis-Toten“ in Düsseldorf nichts ändern – zumal diese Meldung weniger auf wissenschaftlichen Fakten als auf einer Verlegenheitsdiagnose beruhte und schon kurz nach Erscheinen vielfach widerlegt wurde.

Die Zeichen für ein Revival der Hanfpflanze sind allgegenwärtig und so wird sich auch schon in Deutschland auf eine Zukunft mit legalem Cannabis vorbereitet – in Berlin und anderen deutschen Städten befinden sich bereits erste Cannabis Social Clubs in der Gründung. Diese haben zwar noch keine Genehmigungen für den legalen Anbau von Cannabis, doch die lässt sich ja politisch erstreiten.

Zum Beispiel auf den vielen Demonstrationen und Veranstaltungen, die auch in Deutschland im Rahmen des internationalen „Global Marihuana March“ Anfang Mai stattfinden werden und sich für eine weltweite Legalisierung von Cannabis einsetzen. Wir hoffen, Ihr seid mit dabei – egal, ob nun in Hamburg, Würzburg, Frankfurt, Heidelberg, Dresden, Bremen, München, Dortmund, Köln, Erlangen, Ulm oder Berlin.

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Editorial 01/2014: Grün ist die Zukunft

2. Januar 2014 um 11:25

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht „Uruguay legalisiert Cannabis!“. Damit ist die kleine südamerikanische Nation das erste Land der  Welt, in dem Hanf wieder völlig legal als Genuss- und Heilmittel genutzt werden kann – ein weiterer Meilenstein, um die Prohibitionspolitik auf internationaler Ebene zu beenden, ist erreicht. Nachdem Mitte letzten Jahres Colorado und Washington als erste Staaten in den USA Cannabis sowohl für den medizinischen als auch den Freizeitgebrauch legalisiert haben, beendet der uruguayische Präsident José Mujica den „War on Drugs“ und die Hanfprohibition nun auf Staatsebene und macht einen vorbildlichen und gigantischen Schritt in eine grünere Zukunft.

thcene201401Ohne Zweifel bröckelt die Prohibition als Teil eines veralteten, der gesellschaftlichen Realität nicht angepassten Systems auf ganzer Linie und es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis die Hanfprohibition und eine auf Verbote und Bestrafung aufbauende Drogenpolitik der Vergangenheit angehören. Auch hierzulande kommt vermehrt Bewegung in eine längst fällige Diskussion, und der Wandel wird sich auch hier nicht dauerhaft verhindern lassen. Immer mehr Stimmen und Initiativen fordern lautstark Coffeeshops, Cannabis Social Clubs oder Medizinalhanfprogramme und finden damit inzwischen auch Gehör bei Politikern und staatlichen Entscheidungsträgern.

Die Hanfbewegung kommt wellenartig alle Jahre wieder ins Rollen. Diesmal sieht es ganz danach aus, als würde ein grün-schäumender „Tsunami“ anrollen, um die Prohibition endlich ein für alle Mal hinwegzuspülen …

THCENE 01/2014 jetzt frisch bei Eurem Zeitungsdealer

Editorial 04/2013

4. Juli 2013 um 07:23

„Der „War on Drugs“ ist ein Krieg gegen das Bewusstsein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man eingesperrt werden kann, wenn man mit Hilfe von natürlichen Stoffen das eigene Bewusstsein erforscht – dabei ist doch gerade die Möglichkeit, uns etwas bewusst zu machen und danach zu handeln erst das, was uns zum Menschen macht.“  (Graham Hancock)

Aussagen wie diese, die aus Graham Hancock´s Videovortrag stammen, sorgten dafür, dass der britische Autor und Altertumsforscher heftig kritisiert und sein thcene-201304Vortrag prompt zensiert wurde (siehe Artikel „Der Krieg gegen das Bewusstsein“). Glücklicherweise werden Zensurversuche wie dieser durch die Verbreitungsmöglichkeiten des Internets heutzutage schon im Ansatz vereitelt und so fand das Video „online“ ein großes Publikum und löste zumindest im englischsprachigen Raum eine wichtige Debatte über die Grenzen der persönlichen Freiheit aus.

Der Fall zeigte mal wieder, dass Prohibitionsbefürworter lieber auf Zensur und Repression als auf einen offenen Dialog setzen und Legalisierungsaktivisten in den meisten Fällen die besseren Argumente haben. Ständig verlieren wir mehr unserer Privatspähre und persönlichen Freiheit, dabei werden einem manche Freiheiten nicht gegeben, man muss sie sich nehmen. Das eigene Bewusstsein ist in unseren Augen dafür ein guter Anfang.

Wir hoffen, Euch auch mit der Lektüre unserer neuen Ausgabe wieder einige bewusstseinserweiternde Anregungen liefern zu können.