Gemeinsam die Welt verändern

1. März 2017 um 10:36

Alex Rogers hat schon viel erlebt und mitgemacht – als kalifornischer Hanfaktivist an der Seite von Jack Herer, als Weed-Dealer in Europa und als Gefängnisinsasse in Bayern. Seit gut zehn Jahren macht er nur noch ganz legale Geschäfte – und das überaus erfolgreich. Wir sprachen mit Alex über seinen spannenden Lebensweg und die vom 10. bis 12. April zum ersten Mal in Berlin stattfindende ICBC (International Cannabis Business Conference).

Erzähle uns bitte zunächst etwas über dich und deinen bisherigen Lebensweg – wo liegen deine „Hanfwurzeln“?

Die reichen tief, sehr tief. Schon 1993 wurde ich von Jack Herer in die kalifornische Legalisierungsbewegung geholt – damals lebte ich in Santa Cruz, war gerade mal 21 und trug Dreadlocks. Als ich Jack 1993 traf, endete das damit, dass er mich engagierte, um in Nordkalifornien die Unterschriftensammlung für seine damalige Hanf-Initiative zu koordinieren. Ich selbst sammelte dabei über 100.000 Unterschriften und verteilte mindestens ebensoviele Flyer. Als Aktivist der Straße war ich nun in gewisser Weise mit im Spiel und arbeitete schließlich – noch bevor Kalifornien Cannabis für medizinische Zwecke legalisierte – zusammen mit vielen bekannten Aktivisten für eine Reform der kalifornischen Cannabisgesetzgebung. Während meiner aktiven Jahre arbeitete ich neben Jack Herer auch mit Ed Rosenthal, Debby Goldsberry, Dennis Peron und vielen anderen an der „Sache“. Irgendwann wurde mir die USA dann aber zu langweilig und ich zog 1998 für acht Jahre nach Europa – zunächst nach Amsterdam, dann ging es in die Schweiz und nach Südfrankreich. Danach lebte ich auch eine zeitlang in Deutschland und zum Schluss zweieinhalb Jahre in Slowenien.

Und wovon hast du damals gelebt?

Da ich ja keinen Job hatte, hab ich meistens Gras verkauft. Dafür musste ich dann in Österreich und Deutschland auch in den Knast. 2004 verkaufte ich zum letzten Mal Cannabis und seitdem nie wieder. Trotzdem musste ich 2006 für sechs Monate in ein deutsches Gefängnis, weil inzwischen jemand geredet hatte und ein älterer Verkauf so noch nachträglich aufflog. Und da sich das alles in Bayern abgespielt hatte, brauchten die dort offensichtlich auch keine weiteren Beweise, um mich ein halbes Jahr lang wegzusperren – ihr wisst ja, wie sowas in Bayern laufen kann. Aber wie blöd muss man auch sein, um in Bayern Gras zu verticken?

Ich saß also in Bayern im Gefängnis und wachte langsam auf. Es dauerte zwar etwas, aber dann wurde mir immer klarer, dass ich längst kein Hanfaktivist mehr war, sondern ganz einfach ein Dealer, der Profit aus der Prohibition geschlagen hatte. Und das wollte ich nun nicht mehr. Als ich dann vor gut 10 Jahren aus der bayrischen Haftanstalt entlassen wurde, zog ich zurück nach Oregon und begann Politikwissenschaft zu studieren. Anderthalb Jahre später graduierte ich dann „magna cum laude“ und begann mit dem Aufbau meiner Medical-Marihuana-Klinik in Oregon. Diese Klinik ist keine Abgabestelle sondern eine ärztliche Praxis, die Cannabis als Medizin verschreiben kann. Damit habe ich vor gut acht Jahren begonnen und heute ist die Klinik eine der größten in den USA mit über 5.000 Patienten pro Jahr. Letztendlich haben wir die noch junge Industrie deutlich professionalisiert – zum Beispiel durch den allerersten, auf einem NETWORK-Sender in den USA ausgestrahlten Werbespot für medizinisches Marihuana. So etwas hatte noch keiner auf CBS gesehen und so half der Spot tatsächlich dabei, Veränderungen voranzubringen und Cannabis in der Wahrnehmung der Bevölkerung als Medizin zu legitimieren.

Text: Martin Müncheberg

Das ganze Interview könnt ihr in der thcene 02/2017 lesen.