Medizinalhanf mit Max und Micha, Teil 4

1. September 2016 um 00:38

Max-und-Micha

Cannabis hilft immer mehr Menschen dabei, mit chronischen Leiden zu leben, ohne Einschränkungen der Lebensqualität oder störende Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Doch in Deutschland kann man leider nicht einfach zum Arzt gehen und sagen: „Ich nehme seit zehn Jahren Cannabis gegen Leiden XY, bitte verschreiben Sie mir das jetzt.“ Selbst die Verordnung von Fertigpräparaten wie Dronabinol oder Sativex ist nicht gerade einfach, bei echten Cannabisblüten ist das noch ein wenig komplizierter. Hierfür muss der Patient mit seinem begleitenden Arzt einen Antrag bei der Bundesopiumstelle einreichen. Bislang scheuen viele Ärzte den Verwaltungsakt oder fürchten um ihren guten Ruf. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und so haben es bereits über 800 Menschen geschafft, eine Ausnahmegenehmigung zur Selbsttherapie mit niederländischem Apotheken-Gras zu erhalten. Unsere Autoren Max und Micha haben beide eine „Lizenz zum Kiffen“ und werden Euch das reichlich komplizierte Thema „Cannabis und Medizin“ ein wenig näher bringen und vor allem Fragen zum Thema „Medizinalhanfblüten“ beantworten. Wenn Ihr also Fragen habt, schreibt einfach an redaktion@thcene.com. Die Autoren können allerdings nicht die Rolle Eures Arztes übernehmen und werden an dieser Stelle keine medizinischen Fachfragen beantworten.

Ben (19) aus Dresden fragt: Ich lese immer wieder, dass medizinisches Cannabis einen hohen CBD-Anteil hat. Ist Gras mit wenig CBD nicht medizinisch? Gibt es im Coffeeshop eigentlich CBD-Sorten?

Micha: Zu deiner ersten Frage: Nein, das ist eher eine Modewelle, die wenig mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun hat. Sicher gibt es, besonders bei der Behandlung psychischer Krankheiten, ein breites Anwendungsspektrum von CBD. Doch die meisten Patienten brauchen schon THC, auch Dronabinol und Sativex sowie fast alle Studien zur medizinischen Anwendung drehen sich vorrangig um THC. Als ich vor einiger Zeit einmal mit einem kanadischen „Medical“-Produzenten gesprochen habe, hat der mich gefragt, was es in Europa mit dem CBD-Hype auf sich habe. Ich konnte nur antworten, dass CBD, im Gegensatz zu THC, eben nicht verboten sei. In Kanada, wo THC und CBD legal sind, sei die Nachfrage nach CBD weitaus geringer. Auf dem Feld ist noch mehr Forschung als bei THC vonnöten. Der CBD-Gehalt sagt auf jeden Fall nichts darüber aus, ob eine Sorte medizinisch wirksam ist oder nicht. Medizinisches Gras sollte Pestizid- und Fungizid-frei sowie steril angebaut und weiterverarbeitet werden. Es scheint aber einen Zusammenhang zwischen einem zu niedrigen CBD-Gehalt und starker „Kiffer-Paranoia“ zu geben. Englische Forscher haben festgestellt, dass ein hoher CBD-Anteil einem “Bad Trip“ nach einer zu großen Tüte vorbeugen kann. Das Phänomen war früher, als es noch kein Indoor Gras gab, relativ unbekannt, so einen echten THC-Absturz kannte man höchstens von zu hoch dosierten Keksen.

Aber Indoor Gras wurde seit 20 Jahren fast immer mit dem Ziel, den THC-Gehalt zu steigern, gezüchtet, um das CBD kümmern sich Europas Breeder erst seit wenigen Jahren wieder. Damit kommen wir zu deiner zweiten Frage:

Ich fand es nicht sehr überraschend, als das niederländische Trimbos Institut 2015 einen Bericht über Probekäufe in Coffeeshops veröffentlichte, bei dem inländische Grassorten fast CBD-frei waren. Dafür war der CBD-Gehalt von importiertem Hasch exorbitant höher als der von einheimischen Produkten aus dem Kunstlicht-Gewächshaus. Mit durchschnittlich 7,7 Prozent lag er fast siebenmal höher als bei inländischem Weed. In den Coffeeshops dominieren beim Gras also immer noch die THC-Bomben. Zwar habe ich im Sibirie ein oder zwei CBD-lastige Strains gefunden, aber selbst Läden wie die Boerenjongens, die einen auf „Hanfapotheke“ machen, haben höchstens Hasch mit einem kaum erwähnenswerten CBD-Anteil. CBD Strains wie zum Beispiel von der CBD-Crew sind Fehlanzeige. Aber immerhin können Cannabispatienten bei Bedrocan mittlerweile zwischen zwei CBD-lastigen Sorten wählen.

Text: Maximilian Plenert und Michael Knodt