Ruck n’ Roll

31. August 2016 um 12:13

Ruck-n-Roll

Bundespräsident Roman Herzog sagte mal, es muss ein Ruck durchs Land gehen. Und jetzt haben wir ihn. Einen Rechtsruck. Und dann kommen wieder die Experten an und fragen sich: Wo kommt er denn eigentlich so plötzlich her, dieser Rechtsruck?

Nun, da stellen wir uns mal ganz dumm, und fangen am besten mal von vorne an:

Am 14. März 2003 verkündete die damalige Regierungskoalition aus SPD und Grüne die Agenda 2010.

Den Arbeitnehmern die Reallöhne senken und Sozialversorgung einschränken und den Arbeitgebern

Steuergeschenke machen. Oder wie es schon Goethe in seiner Farbenlehre nannte: „Wenn man rot und grün mischet, bekömmt man ein Grauen.“

Seitdem hatten wir die unterschiedlichsten Regierungskoalitionen: Rot-grün, schwarz-rot, schwarz-gelb und wieder schwarz-rot. Und alle haben sie diese Politik fortgeführt und dafür gesorgt, dass in den letzten 15 Jahren das reale Einkommen der ärmsten 20% der Bevölkerung geschrumpft ist, während die reichsten 5% der Bevölkerung mehr als 16% Einkommen hinzugewinnen konnten. Die Reichen wurden immer reicher und die Armen wurden auch immer reicher. Zahlreicher.

Soziale Sicherheit, gesellschaftlicher Anteil, würdevolles Rentnerdasein. Die ärmsten 20% der Deutschen hören diese Worte und sagen: „Ey geil. Kann ich das Märchenbuch auch mal lesen? Wo steht das? Bei Harry Schotter?“

Dann gibt es da noch die nächsten 75%. Die Mittelschicht. Früher in der Hoffnung auf Aufstieg, heute mit der Angst vor Abstieg. Also im Grunde eine Mischung aus Hannover 96 und SPD.

Die Hoffnung auf Aufstieg war dabei der wichtige Anreiz zur Stützung des Systems. Nur wenn die Mittelschicht sich reinhaut, entsteht eine Wertschöpfung. Und nur dann kann die Oberschicht den Wert schöpfen. Die Hoffnung auf Aufstieg war also sowas wie die Karotte des Kapitalismus vor dem Eselsmaul der Mittelschicht.

Die Angst vor Abstieg hingegen ist zu einer realen Bedrohung geworden. Nach einer Umfrage von TNS Infratest geht es den Fans der AfD ziemlich gut. 79 Prozent der rechten Anhänger bezeichnen ihre wirtschaftliche Situation als „gut“ bis „sehr gut“. Die sind nicht abgestiegen, die haben Angst vor Abstieg. AfD-Wähler sind also keine Looser, sondern Memmen.

Text: HG. Butzko