Der gute alte Drecksack Kapitalismus

29. Juni 2016 um 06:52

Drecksack-KapitalismusIst es nicht irre, wie sich in letzter Zeit die Konflikte überschlagen? Bürgerkrieg in Syrien, Flüchtlinge in Deutschland, islamistischer Terror in Europa, musikalischer Terror mit Xavier Naidoo. Und das irrste an all diesen Problemen ist die völlig irre Ursachenforschung. Was wird da nicht alles als Grund herangezogen – und das naheliegendste geradezu betriebsblind übersehen.

Wenn z.B. in Paris Menschen ein Fußballspiel oder ein Rockkonzert besuchen, ins Café gehen, um zu Abend zu essen, dann wollen die einfach nur für ein paar Momente ihr Leben genießen und haben niemandem etwas getan. Sie abzuschlachten – und dazu noch wehrlos – ist barbarisch und durch nichts zu rechtfertigen.

Wenn dann aber westliche Politiker und Medien anschließend behaupten, diese Anschläge seien Anschläge auf (Zitat:) „unsere Art zu leben“, dann ist das zwar als Befund zunächst richtig, als differenzierte Diagnose taugt es allerdings nicht und führt nur zur falschen Therapie. Mit Tornados die Bombardierung von Orten in Syrien zu unterstützen, ist ungefähr so wirkungsvoll, wie der Versuch, Leukämie mit Eigenblut-Therapie zu behandeln.

Im letzten Jahr gingen ca. 700 deutsche Bürgerinnen und Bürger nach Syrien, um sich dort irgendwelchen Terrormilizen anzuschließen und Anschläge durchzuführen. Nach deutscher Logik dürfte Assad in Deutschland jene Orte bombardieren, in denen diese Terroristen ursprünglich gewohnt hatten. Zum Beispiel Dinslaken oder Wolfsburg. Und wer schon mal in Dinslaken oder Wolfsburg war, kann bestätigen, dass es dort Viertel gibt, in denen eine Bombardierung unter die Rubrik „Schöner Wohnen“ fiele.

Das Blöde daran ist folgendes: Es gibt auf der Welt friedfertige Menschen und es gibt gewaltbereite Menschen. Noch blöder ist, dass aus beiden Gruppen manche Personen zur Rechtfertigung ihres Handelns ein religiöses Buch heranziehen. Noch viel blöder ist, dass es dafür nicht nur ein einziges Exemplar für eine einzige Religionsgruppe gibt, sondern in allen Glaubensrichtungen genügend Bücher dafür existieren. Und am allerblödesten ist: Manchmal finden sowohl die Friedfertigen als auch die Gewaltbereiten die Argumente für ihr Verhalten sogar im selben Buch. Zu blöde aber auch.

Alle weiteren Streitpunkte, welches Buch aus welchem Grund auf welche Weise geschrieben wurde, in welchem Kontext man welche Stelle wie oder eben nicht zu verstehen habe, was genau mit diesem oder jenem Satz gemeint sein könnte, bedürfen einer Differenzierung, die ich lieber denjenigen Komikern überlasse, die ihre Lebenszeit damit verschwenden wollen, religiöse Schriften und ihre Gelehrten zu interpretieren. Denn wie bei allen Büchern gilt gerade bei religiösen Schriften: Wenn man bedenkt, dass Papier aus Holz hergestellt wird, heißt das, dass man beim Lesen ein Brett vor dem Kopf hat.

Text: HG. Butzko