Die Herrschaft der sieben Schwestern

4. Mai 2016 um 00:28

Erdöl ist heute Fluch und Segen zugleich – und einer der wertvollsten Bodenschätze unserer modernen Zivilisation. In Zeiten islamistischen Terrors und des globalen Kriegs dagegen wird allzu gerne übersehen, dass es dabei auch und immer noch um Erdöl geht.

Die Geschichte des Erdöls ist in den Ländern des vorderen Orients voller Gegensätze – extremer Reichtum neben Krieg und Not, uneingeschränkte Maßlosigkeit neben furchtbarem Elend. Wo früher eine Hochkultur herrschte, liegt heute das Schlachtfeld mit Namen Irak. Bombenanschläge, Entführungen, Selbstmordattentate – doch völlig unbeeindruckt davon werden hier tagtäglich große Mengen Öl gefördert und exportiert. Wie konnte es dazu kommen?

Die eigentliche Geschichte des Erdöls beginnt in den schottischen Highlands – hier trafen sich am 28. August 1928 drei einflussreiche Männer im Achnacarry Castle. Man war zusammen in den umliegenden Wäldern auf der Jagd und führte danach ein stundenlanges konspiratives Gespräch. Hier zunächst einmal die Protagonisten und ihr Hintergrund:

Walter C. Teagle kam aus Amerika angereist. Er vertrat die „Standart Oil Company“ – einen Ölkonzern, der von dem geschäftstüchtigen John. D. Rockefeller im Jahr 1870 gegründet worden war. Der Firmensitz in New York hat die Form einer Öl-Lampe und das Unternehmen kontrollierte in den USA so ziemlich alles, was mit Öl zu tun hatte: Vom Holz für die Ölfässer bis zum Vertrieb des fertig raffinierten Produkts.

Der Holländer Henry Deterding hatte sich den „guten“ Ruf eines unerbittlichen Industriellen erworben – sein Spitzname war „der Napoleon des Öls“. In Sumatra hatte er einen reichen Schiffseigentümer und Muschelhändler kennengelernt und mit ihm die „Royal Dutch Shell“ gegründet.

Sir John Cadman aus England hatte den kürzesten Anreiseweg – er war Direktor der „Anglo-Persian Oil Company“. An seinem Unternehmen war auch die englische Regierung beteiligt, die ihre Flotte gerade von Kohle auf Öl umgerüstet hatte.

Schiffe, Flugzeuge, Panzer und Autos – überall auf der Welt wurde Öl als Treibstoff unverzichtbar. Und so witterten die drei Herren in den schottischen Highlands das ganz große Geschäft. Heute heißen die Unternehmen Exxon, Shell und British Petroleum (BP) – und sind die mächtigsten Ölgiganten der Welt.

1928 einigten sich die besagten drei Herren im Achnacarry Castle darauf, fortan die globalen Öl-Ressourcen brüderlich und maximal gewinnbringend zu nutzen. Der durch die Konkurrenz zwischen den Ölkonzernen zuvor noch unberechenbare Markt sollte endlich stabil werden und ganz langfristig lukrative Einnahmen abwerfen. Produktion, Transport, Verkaufspreise – alles wurde sorgsam ausverhandelt und aufgeteilt. In den frühen Morgenstunden vollendeten die Drei ihren Vertrag – es war der geheime Pakt eines neu gebildeten, weltweiten Öl-Kartells, das bereit war, Geschichte zu schreiben.

Text: Martin Müncheberg

Den ganzen Artikel könnt Ihr jetzt in thcene 03/2016 lesen.