DMT-Das Molekül des Bewusstseins

30. Dezember 2015 um 03:21

DMT ist ein potentes Entheogen und ein extrem stark wirksames Psychedelikum, das seit Urzeiten von indigenen Ethnien verwendet wird, nämlich in Form des schamanischen Urwald-Trunks Ayahuasca. Aber DMT ist allgegenwärtig und deshalb alles andere als eine exotische Substanz. Im Gegenteil: DMT scheint vielmehr offenkundig einer der normalsten Stoffe der Natur zu sein, weshalb schon der US-amerikanische Chemiker und Psychonauten-Pionier Sasha Shulgin (1925-2014) feststellte: „DMT is everywhere“. Dabei wird DMT auch das Molekül des Bewusstseins genannt und es offenbart dem Experimentatoren Erfahrungsrealitäten, die jenseits des Vorstellungsvermögens unseres Alltagsbewusstseins liegen.

DMT, oder korrekt: N,N-DMT, ist die Abkürzung für N,N-Dimethyltryptamin. DMT gehört zur chemischen Stoffklasse derDMT Tryptamine und ist eines der stärksten psychedelischen Moleküle, die wir bisher kennen. Der US-amerikanische Wissenschaftler Dr. Rick Strassman, seines Zeichens Psychiater, ist derjenige Forscher in der Welt, der die intensivsten Untersuchungen – auch im Rahmen klinischer Studien am Menschen – vornehmen durfte. In seinem Buch DMT – Das Molekül des Bewusstseins gibt er folgende Definition bzw. Antwort auf die Frage, was DMT eigentlich ist: DMT, „dieses ‚Bewusstseinsmolekül‘ [eröffnet] unserem Bewusstsein einen Zugang zu den erstaunlichsten und alle Erwartungen übersteigenden Visionen, Gedanken und Gefühlen. Es stößt die Tür zu Welten auf, die jenseits dessen liegen, was wir uns vorstellen können. DMT kommt in unserem Körper vor und überall im Pflanzen- und Tierreich. Es gehört zur ‚Normalausstattung‘ des Menschen und anderer Säugetiere, ist in Meerestieren, Gräsern und Erbsen, in Kröten und Fröschen, in Pilzen und Schimmel, in Rinden, Blüten und Wurzeln vorhanden“.

Dabei ist N,N-DMT ein denkbar einfaches Molekül. Innerhalb der Biosynthese in Lebewesen ist es nur zwei kleine Schritte von L-Tryptophan entfernt, eine Sensation, wenn wir bedenken, dass so gut wie jede auf der Erde befindliche Lebensform diese Substanz beherbergt. Denn Tryptophan, eine aromatische Aminosäure, kommt in Proteinen (Eiweißen) und den verwandten Peptiden vor. Beim Menschen wird Tryptophan in Serotonin umgebaut, weshalb es auch als Antidepressivum gilt.

Soviel zur Erklärung der Zusammenhänge und nun zurück zum Thema: DMT ist also nur zwei Schritte vom Tryptophan entfernt: Aus Tryptophan wird Tryptamin (durch Decarboxylierung), aus Tryptamin wird DMT. Das bedeutet in der Quintessenz, dass potenziell überall in der Natur das Bewusstseinsmolekül DMT synthetisiert werden kann (ein Fakt, der zum Beispiel auch im wunderbaren Film The Spirit Molecule von seriösen Wissenschaftlern gut verständlich erklärt wird). Deshalb ist es auch in vielen Pflanzen, in allen Wirbeltieren und in uns Menschen zu finden. Die genaue Rolle, die dieses faszinierende Molekül aber in den Lebewesen spielt, konnte wissenschaftlich bisher noch nicht aufgedeckt werden.

Text: Markus Berger

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