“Genießen, spüren, hinterfragen.“

28. Oktober 2015 um 06:05

CiA-201506Sommelier ist 29 Jahre alt, in Berlin-Neukölln und Hessen aufgewachsen und arbeitet als ausgebildeter Koch. Schon dadurch ist sein Unterscheidungsvermögen für Geschmackssinn und Gerüche sehr geschult. Ich treffe ihn in seinem Sortenarchiv in Berlin und in einer olfaktorisch angenehmen Nebelwolke kommt es zu dem folgenden Interview.

Sommelier, hattest du über Cannabis schon etwas gehört, bevor du es zum ersten Mal konsumiert hast?

Ja, sobald ich mit ca. 12 Jahren in die siebte Klasse kam, wurde ich damit erstmalig konfrontiert. Das fing so an, dass schon auf  Gartenpartys Ältere kifften und ich das direkt mitbekam und dabei darüber aufgeklärt wurde. Es gab auch drei, vier Leute in meiner Klasse, die regelmäßig rauchten und sogar schon schwer verkauften, obwohl sie erst um die 13 Jahre alt waren. Sie wohnten Mitte der neunziger Jahre in einer Siedlung im Süden Berlins und ließen sich von Arabern beliefern. Auf dem Schulhof wurden sie dann ihre Ware los. Das habe ich ein paar Jahre lang beobachtet, war aber sehr distanziert dazu.

In welchem Alter hast du erstmalig gekifft und wie war das für dich?

Ich war sechzehn und habe erst gar nichts gemerkt. Mein Freund hatte ein bisschen Gras von seinem großen Bruder besorgt und wir saßen im Sommer im Park und hatten uns einen Joint mit Tabak gedreht. Ich hatte früher schon hin und wieder Zigaretten geraucht, das Inhalieren war also kein Problem für mich. Weil ich aber so gar nichts merkte, habe ich bestimmt ein halbes Jahr lang danach kein Gras mehr geraucht. Ich weiß nicht, ob es an dem Amphetamin-ähnlichen Ritalin gelegen hat, was ich damals noch regelmäßig nahm. Vielleicht ist es durch den harten Einfluss dieses Medikaments einfach untergegangen – so würde ich das zumindest heute interpretieren.

Hattest du vor dem ersten Joint schon andere Drogen ausprobiert?

Zigaretten, Alkohol und eben 5 Jahre lang Ritalin, das ich auch zu den Drogen zähle. Das nehmen andere in der Szene ja auch ganz gezielt, um in bestimmte Zustände zu kommen. Ich habe irgendwann bewusst damit aufgehört, weil ich es nicht gut für meinen Körper und meinen Charakter fand. Alkohol war aber auch keine Option für mich und andere Sachen waren mir entweder zu heftig oder zu illegal. Gras war dann optimal für mich, auch weil ich es mit Reggae-Musik verband, mit Leichtigkeit und dass ich mich damit auch mal ein bisschen zurückziehen kann, was mir mit meiner Aufmerksamkeitsstörung natürlich gut bekam.

Text und Fotos: Pia M.

Das ganze Interview könnt Ihr jetzt in der thcene 06/2015 lesen.