Old School vs. New School

1. Januar 2015 um 01:15

Es gibt diverse Cannabis Cups in Holland, den USA und mittlerweile auch Spanien. Was aber geht diesbezüglich in deutschen Gefilden? Natürlich können Deutschlands Cannabisfreunde wegen der Illegalität keine öffentlichen Cannabis-Wettbewerbe veranstalten – was sich im Angesicht der aktuell günstigen weltweiten Gesetzesentwicklung jedoch eines vielleicht gar nicht so fernen Tages ändern könnte. Aber im Untergrund kann man sie mitunter finden: kleine private Cups, bei denen sich befreundete Grower mit den Früchten ihrer Arbeit messen. Und diese sind oft von beachtlicher, international konkurrenzfähiger Qualität, denn längst ist klar: Die Deutschen können nicht nur Wein und Äpfel, sondern auch Spitzengras züchten.

Cannabis-Cup-DEDank solidem Fachwissen, gewissenhaften Gärtnertugenden, guter Ausrüstung und Top-Genetik entsteht hierzulande in  vielfältiger Weise der Stoff, aus dem die Träume sind. Cannabis in Connoisseur-Qualität, bei dem es zu schade wäre, wenn nur der Erzeuger in dessen Genuss kommen würde. Es gibt viele Grower, die Proben ihres Homegrowings mit Freunden austauschen, und so pflegten es auch die grünen Kumpane Ellis D., Rocky Resin, Henk, Honk, Brulf und Brolf zu tun. Natürlich waren sie nicht selten der Meinung, dass ihr jeweils eigenes Gras das beste von allen sei, und so kam ihnen die Idee, einen privaten Cannabis-Cup abzuhalten, bei dem jeder mit einer Sorte an den Start gehen würde und bei dem per Blind-Testing und Bewertung verschiedener Kategorien der objektiv beste Strain ermittelt werden sollte. Gesagt, getan – als ein jeder seine Top-Sorte für den Vergleich ausgewählt und unter Geheimhaltung des Namens einige Monate später angebaut hatte, war es soweit: Der private Cannabis-Sechskampf konnte beginnen!

Die Regeln: Einreichung des eigenen Grases beim neutralen Spielleiter, und zwar mindestens ein Gramm für jeden Teilnehmer einschließlich der eigenen Person, mit dem augenzwinkernden Hinweis, dass geringfügig größere Mengen nicht als Bestechungsversuch gewertet würden. Der Spielleiter war ein befreundeter Ex-Konsument, bei dem man sich getrost sicher sein konnte, dass er die eingesammelten Proben nicht vor lauter Schmacht selbst dezimieren würde… Um jede Sorte unverfälscht und angemessen beurteilen zu können, beschloss man, sie nach und nach an sechs Abenden einzeln durchzutesten. Jeder war dabei einmal Gastgeber und hatte natürlich für eine zünftige Ausstattung des Abends mit allerlei Snacks, Sweeties und nichtalkoholischen Getränken zu sorgen. Wenn Ellis D., Rocky Resin, Henk, Honk, Brulf und Brolf bereits voller Spannung feierlich versammelt waren, klingelte es und der Spielleiter erschien wie ein Lottogewinn-Überbringer mit einem schwarzen Koffer, in dem er die sechs Beutel mit der jeweiligen Grassorte des Abends transportierte und den Teilnehmern kredenzte, die nüchtern zum Test antreten mussten. Die Reihenfolge der Sorten hatte der Spielleiter zuvor ausgelost. Um vollständig geheimzuhalten, welche Sorte von welchem Grower stammte, rauchte und testete jeder Teilnehmer auch seine eigene Sorte zum Schein mit. Der Spielleiter, der wusste, wer was eingereicht hatte, bezog diese Zahlen aber anschließend nicht in die Auswertung ein, um eine Verfälschung des Ergebnisses durch möglicherweise gegebene Maximalbewertungen der eigenen Sorte auszuschließen. Bewertet wurden die Kategorien Potenz, Geruch, Geschmack und Optik mit jeweils 1–10 Punkten, sodass eine Sorte in einer Einzelwertung pro Teilnehmer maximal 40 Punkte erhalten konnte. An jedem Abend wurden von jedem Teilnehmer mindestens zwei Test-Joints der jeweiligen Tagessorte geraucht, im Abstand von zwei Stunden, mengenmäßig exakt bemessen mit jeweils 0,3 g. Nach Abklingen der Wirkung füllte jeder seinen Testbogen aus. Wer wollte, konnte anschließend auch noch eine dritte Tüte oder mehr nachlegen. Nach den sechs Test-Abenden hatte der Spielleiter anhand aller Bewertungen die Rangfolge zu errechnen und am letzten, siebten Cup-Tag den Teilnehmern zu verkünden – unter Auflösung der einzelnen Sortennamen und der Identität des jeweiligen Growers. Und nur der Spielleiter wusste bis zum letzten Abend, dass dieser Cannabis-Sechskampf auch ein Duell von Vergangenheit und Gegenwart sein würde, von Old School- und New School-Cannabisgenetik…

Text und Fotos: Green Born Identity – G.B.I.

Den ganzen Artikel könnt Ihr jetzt in der thcene 01/2015 lesen.