„Cannabis hat mich ernsthafter gemacht!“

31. Dezember 2014 um 23:30

Gerade sitze ich am Landwehrkanal in der letzten Herbstsonne auf der Wiese, als ich bemerke, dass sich der Typ neben mir einen dreht. Sofort kann ich ihn in ein interessantes Gespräch über Gras verwickeln. Antonio ist 21 Jahre alt, kommt aus einem winzigen Dorf in der Nähe von Zaragoza in Spanien, wo er bis vor Kurzem noch bei seinen Eltern lebte. Er studiert jetzt in Berlin Pharmazie, kennt sich, wie er sagt, gut mit Substanzen aus und ist gewillt, mir meine neugierigen Fragen zu beantworten.

Antonio, hattest du schon mal etwas über Cannabis gehört, bevor du es zum ersten Mal konsumiert hast?

Als ich elf Jahre alt war, haben sich die Älteren bei mir in der Schule auf dem Hof hinter vorgehaltener Hand darüber unterhalten, wer schon mal geraucht hat und wer nicht. Die Jüngeren, so wie ich, haben zugehört. Da habe ich das zum ersten Mal mitbekommen, dass so etwas überhaupt existiert. Später habe ich dieselben Jungs vor dem Kino oder im Park kiffen sehen und hatte gleich Beispiele, wie das geht. Zwei Jahre später habe ich es dann selber probiert, da war ich dreizehn.

Erzähl mal, wie kam es dazu und wie war das für dich?

Weil ich schon so viel davon gesehen hatte, wollte ich es auch machen. Ich denke heute, ich wollte zu den großen Jungs dazugehören. Mein bester Freund hatte mir angeboten, dass ich das gerne mit ihm zusammen ausprobieren könnte, denn er hatte schon Erfahrungen damit gesammelt. Ich sagte ihm, er könne gerne etwas für 10 € besorgen. Damals kostete ein Gramm gutes Gras 2,80 €, also bekamen wir eine ganze Menge für unser Geld. Wir saßen abends auf einem kleinen Kinderspielplatz unten am Fluss und er drehte eine krumme Tüte mit Tabak und Gras. Ich beobachtete ihn sehr neugiereig dabei und stellte viele Fragen, was alles passieren könnte. Beim Anzünden hustete ich erst ein bisschen, es qualmte für meine Begriffe unglaublich. Bis dahin hatte ich nur hin und wieder mal eine Zigarette gepafft. Dann aber ging es mir gut! Ausgesprochen gut! Wir lachten und erheiterten uns eine ganze Weile. Als wir später die Treppe wieder hochgingen, hatte ich plötzlich das Gefühl, zwei Körper zu haben, das war eine ungeheuer neue Erfahrung für mich. Ich konnte mich gleichzeitig von vorne und von hinten sehen! Ich erinnere mich noch, dass wir an dem Tag essen gingen, weil wir nach dem Kiffen unglaublichen Hunger bekamen.

Was hat dir an Cannabis so gut gefallen, dass es nicht nur bei einer Tüte blieb?

Am Anfang hat es mir einfach nur Spaß gemacht. Ich konnte manchmal befreit über Dinge lachen, was ich sonst nicht für möglich gehalten hätte. Wir hatten fast Wangenkrämpfe! Was für eine supergute Laune! Später, als ich öfter geraucht hatte, konnte ich auch endlich das Entspannende daran genießen. Es kamen tiefsinnige Themen über das Leben auf den Tisch, auf die ich mich leicht mit meinen Freunden konzentrieren konnte. Das mochten die anderen an mir, und das war damals auch eine neue Erfahrung für mich. Ich bin ein Mensch mit Tiefgang geworden.

Text und Fotos: Pia M.

Das ganze Interview könnt Ihr jetzt in der thcene 01/2015 lesen.