Cannabissorten – Ein Vergleich zweier Extreme

29. August 2014 um 14:27

Schon seit Jahrtausenden passt sich die Cannabispflanze an die jeweiligen Umstände ihrer Umgebung an und entwickelt sich dabei immer weiter. Die Sorten, die in wärmeren bzw. kälteren Regionen überlebten, wurden dort zum dominanten Phänotyp – erst später wurden sie von Botanikern als voneinander unabhängige Zweige desselben Familienstammbaums identifiziert. Eine so vielseitige Pflanze wie Cannabis kann eine nahezu unbegrenzte Vielfalt unterschiedlicher Sorten hervorbringen – manchmal offenbaren sich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen aber nur dem erfahrenen Blick eines Experten.

Im aktuellsten Standardwerk über die natürliche Entwicklungsgeschichte von Cannabis, Cannabis: Evolution and Ethnobotany, haben die Autoren  Robert Connell Clarke und Mike D. Merlin zahlreiche Klassifizierungen der Pflanze neu festgelegt, die wir bisher als bewiesen vorausgesetzt hatten. Sie klassifizieren die beiden Haupttypen nicht mehr nur als Indica und Sativa. IhBig-Bud-vs.-Hempflaxrer Meinung zufolge kann der Industriehanf präziser als Broad-Leaf Hemp (BHL) bzw. Narrow-Leaf Hemp (NLH) und psychoaktives Cannabis als Broad-Leaf Drug (BLD) bzw. Narrow-Leaf Drug (NLD) bezeichnet werden. Die beiden bekanntesten Ausdruckformen zur Beschreibung des genetischen Potenzials klassifizieren die Pflanzen in industriellen Hanf und psychoaktive Sativa, Indica oder Hybridformen davon. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf die wissenschaftlichen Namen Cannabis Indica Subspezies Chinensis, Cannabis Sativa Subspezies Sativa, Cannabis Indica Subspezies Afghanica bzw. Cannabis Indica Subspezies Indica. Das wohl revolutionärste Ergebnis dieser Untersuchung ist die Tatsache, dass alle NLD-Varietäten, die seit Beginn der Klassifizierung von Cannabis als Sativa bezeichnet wurden, genau genommen Indica-Subspezies des Haupt-Indicatyps sind!

Der zweite Hauptfaktor für die Entstehung einer Typenvielfalt ist die Vielfältigkeit der Verwendungszwecke. Seit Beginn des Landwirtschaft haben die Menschen diejenigen Spezies ausgewählt, die ihre spezifischen Bedürfnisse am Besten befriedigen konnten. Diese Pflanzen wurden immer zielgerichteter und effektiver miteinander gekreuzt – das war die Wiege der Genmanipulation. Die Rede ist hierbei nicht von genetischer Modifikation (bei der die Gene einer Spezies auf unnatürliche Weise in die Gene einer anderen Art eingepflanzt werden), obwohl beide Begriffe oft verwechselt und sogar als Synonyme verwendet werden. Dieser allmähliche Prozess vollzog sich langsam aber sicher über Jahrhunderte hinweg und wurde von der natürlichen Auslese noch unterstützt. Der Hanfanbau erlitt einen herben Rückschlag, als Beginn des vorigen Jahrhunderts Marihuana und damit auch Hanf illegal wurden. Der Hanf wurde in großem Ausmaß durch andere Materialien, wie Baumwolle, Plastik und synthetische Fasern, ersetzt. Ungefähr fünfzig Jahre später eröffneten die Fortschritte im Bereich der Indoorzucht von psychoaktivem Cannabis mithilfe von künstlicher Beleuchtung vollkommen neue Möglichkeiten. Einige Jahrzehnte später haben unser rücksichtsloser Umgang mit der Natur und die unersättliche Nutzung der begrenzten Rohstoffe ein erneutes Interesse am Hanf als nachhaltigster aller Kulturpflanzen geweckt.

Es ist hochinteressant, die Lebenszyklen zweier Paradebeispiele dieser beiden Extreme miteinander zu vergleichen: die indoors gezogene Big Bud von Sensi Seeds und die Industriehanfsorte mit dem wissenschaftlichen Namen USO-31 von HempFlax. Obwohl sie grundlegend verschieden sind, steckt derselbe niederländische Pionier im Cannabisgeschäft hinter beiden Unternehmen: Ben Dronkers. Wir zeigen den Verlauf eines Jahres im Leben von zwei gegensätzlichen und trotzdem eng miteinander verwandten Cannabistypen.

Text und Fotos: Sensi Seeds

Den ganzen Artikel könnt Ihr jetzt in der thcene 05/2014.