20 Jahre Paradise Seeds: „Hier züchtet der Boss noch selbst!“

29. August 2014 um 13:48

Sensi Star, Belladonna, Durga Mata und Allkush sind nur einige der hochprämierten Spitzensorten von Paradise Seeds. Die Qualitäts Samenbank aus den Niederlanden feiert in diesem Jahr ihr 20jähriges Jubiläum. Doch das ist für Luc Krol, den Gründer und Zuchtexperten von Paradise Seeds kein Grund sich auf seinen Hanfblüten auszuruhen. Im Gegenteil, er ist nicht nur der Initiator der Medical Cannabis Bike Tour, sondern hat auch Pläne mit Paradise Seeds ins Ausland zu expandieren.

Lieber Luc, herzlichen Glückwunsch zu zwanzig Jahren Paradise Seeds! Ein schönes Jubiläum. Was hat dich eigentlich damals dazu gebracht, eine eigene Cannabis-Samenbank zu gründen?

Ich habe zunächst damit angefangen, um Spaß zu haben, aber es war auch einfach notwendig, weil ich Gras rauchen wollte und mir den Kauf damals nicht  leisten konnte! Aus diesem Grund habe ich mit dem Growing angefangen. Und als ich damit begonnen hatte, meine eigenen Pflanzen anzubauen und zu rauchen, war das die beste Marihuana-Erfahrung, die ich bis dahin gemacht hatte, und ich erkannte, „Okay, das ist etwas, was ich gern für den Rest meines Lebens tun möchte.“ Schnell verfiel ich auf die Idee, auf diesem Gebiet eine Firma zu gründen. Aber wie sollte ich in dieses Business hineinkommen? Da gab es einen bestimmten Coffeeshop in Amsterdam, den ich sehr mochte, Lucky Mothers, also gab ich denen etwas von meinem selbst gezogenen Gras, das sie dann an spezielle Kunden weiterverkauften, langjährige Freunde mit viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Lucky Mothers war ein halb kanadischer, halb amerikanischer Laden, und viele Kanadier und Amerikaner testeten mein Gras. Das Feedback war fantastisch, und eines Tages sagten die Betreiber von Lucky Mothers zu mir: „Hey, Luc, du solltest eine Liste mit Samensorten herausgeben, die du zum Kauf anbieten kannst.“ Darauf sagte ich „Okay, dies ist der Preis für einen Samen“, und begann damit, einige Samen zu produzieren, nicht besonders viele zu Anfang. Aber das Feedback zu diesen Seeds war wiederum hervorragend und so wurde meine Samenproduktion immer größer, gemäß der steigenden Nachfrage. Dann wurde ich jedoch zu Hause gebustet, sie fanden eine Menge von samenschwangeren Cannabispflanzen in meiner Wohnung, und es kam zu einem Gerichtsverfahren, ich sah also einer Strafe entgegen. Mein Anwalt sagte: „Das Problem ist, dass du keine offiziell angemeldete Samenbank betreibst“, und ich erwiderte „Nun, das tue ich – vom morgigen Tag an!“ Anderntags ließ ich dann meine Firma Paradise Seeds ins Handelsregister eintragen, das war im Jahre 1994. Was auch interessant für die deutschen Leser sein dürfte: Eine der ersten Firmen überhaupt, die unsere Samen zum Kauf anbot, war Lumen Max in Oberhausen, das müsste 1995 gewesen sein. Die Leute von Lumen Max hatten meinen Katalog bei Hydro Hobby in Arnheim gefunden und wurden bald darauf unser erster Wiederverkäufer in Deutschland. Lumen Max war die erste Firma außerhalb Hollands, die unsere Samen im Angebot hatte.

Als du deine Samenbank ins Leben gerufen hattest, gab es nur wenige Konkurrenten auf diesem Gebiet, und vorausgesetzt, man machte seinen Job gut, hatte man beste Chancen, es geschäftlich weit zu bringen. Und obwohl es heutzutage weltweit etliche Hundert Samenbanken gibt, hast du es geschafft, stets eine starke Marktposition zu behaupten. Was ist das Geheimnis deines Erfolgs?

Dafür gibt es mindestens zwei Gründe. Einer davon ist, dass wir eine transparente Firma sind. Als Kunde kannst du immer auch mit mir persönlich sprechen, dem „Boss“, und die Leute wissen das zu schätzen.

Und dann ist unsere Qualität steLuc_Paradise-Seedsts erstaunlich stabil geblieben, von Anfang an bis zum heutigen Tag. Wer unsere Samensorten kauft, weiß genau, was er bekommt. Bei anderen Seedbanks ist dies oftmals nicht der Fall. Wir machen unseren Job nicht so leicht und schnell wie möglich, sondern investieren viel Arbeit und Zeit in die Züchtung einer neuen Sorte, die wir dann auch sehr gründlich testen, bevor sie auf den Markt kommt. Wohingegen andere sogenannte Samenbanken einfach nur die Sorten anderer kopieren, was natürlich mit minderer Qualität einhergeht. Die Leute wollen aber nicht auf solche Weise hereingelegt werden, und unsere Kunden sind schlau genug, sich für das Original zu entscheiden, wahre Qualität zu kaufen.

Siehst du die Zukunft von Paradise Seeds eigentlich überhaupt noch in den Niederlanden? Schließlich ist die Cannabisgesetzgebung deines Heimatlandes seit den 90er Jahren immer repressiver geworden, während Uruguay sowie die US-Bundesstaaten Washington und Colorado den Traum aller Hanffreunde wahr gemacht und Cannabis legalisiert haben. Normalerweise siedeln sich Unternehmen ja dort an, wo sie die besten Standortbedingungen, vor allem rechtlichen Rahmenbedingungen, vorfinden.

Ja, es stimmt, dass in Holland die Dinge in den letzten 20 Jahren leider in eine falsche Richtung gelaufen sind. Aber ich kann dir berichten, dass sich am politischen Horizont eine Kurskorrektur abzeichnet. Es gibt interessante Neuigkeiten von der Zweiten Kammer (Tweede Kamer), der Institution, in der Gesetzesvorschläge erarbeitet, diskutiert und verabschiedet werden, bevor sie der Ersten Kammer zur Abstimmung vorgelegt werden. Alle in der Zweiten Kammer vertretenen Parteien haben sich nun zusammengetan, um gemeinschaftlich eine Lösung zur Regulierung des Cannabismarkts zu finden, und das bedeutet im Wesentlichen, die Produktion und Lieferung von Cannabis für die Coffeeshops zu regulieren und womöglich zu lizenzieren. Die Zweite Kammer ist der Auffassung, dass hier endlich etwas unternommen werden muss, sie wollen die Dinge nach jahrzehntelanger politischer Debatte nun ändern. Unser Justizminister sagte zwar heute zu diesem Bestreben: „Nein, das möchte ich nicht“, aber das ist nur seine eigene Meinung, und im nächsten Schritt wird sich zunächst die Erste Kammer mit dem Thema beschäftigen. Aber unabhängig davon, ob das Ganze nun am Ende tatsächlich in ein Gesetz münden wird, das die Versorgung der Coffeeshops legalisiert, werde ich mich um eine Lizenz für den Anbau von Cannabis bemühen. Ich denke hier aber nicht in erster Linie an die Produktion von Marihuana für die Coffeeshops – das würde ich vielleicht nebenbei machen – sondern den Anbau zu Forschungszwecken, denn ich bin sehr an den medizinischen Aspekten der Cannabispflanze interessiert. Es gibt also jetzt endlich einen konkreten Anlass zur Hoffnung, dass Holland mit der Zeit geht und Cannabis zumindest teilweise legalisiert. Und da auch überhaupt nicht zu befürchten ist, dass der Samenverkauf hier irgendwann verboten werden könnte, sehe ich die Zukunft von Paradise Seeds unverändert auch in meinem Heimatland.

Interview und Fotos: Green Born Identity – G.B.I.

Das ganze Interview könnt Ihr jetzt in der thcene 05/2014 lesen.