„Cannabis inspiriert mich auf der ganzen Linie“

6. März 2014 um 01:12

Chris*, 31 Jahre alt, ist DJ und Legalisierungsaktivist. Seit seiner Jugend hat er ein großes Faible für Cannabis. Wie er selbst sagt, gibt es außer Musik nichts, was ihn derart fasziniert wie die Hanfpflanze. Vor allem die Kombination seiner beiden Hobbies, also Musik und Gras, gefällt ihm besonders gut. Wann und wie Chris zum Cannabis kam, wie er heute Hanf als kreativitätsförderndes Genussmittel nutzt und warum ihm die Legalisierungsbewegung so am Herzen liegt, erzählt uns der sympathische „Dreadhead“ im Interview.

Das Thema Cannabis hat es dir ja angetan. In welchem Alter hat dich diese Faszination denn gepackt? Erzähle doch mal kurz deine Geschichte. Wie hat bei dir alles angefangen?

Ich habe Cannabis mit 14 Jahren entdeckt. Und zwar war das damals so, dass ich irgendwie mitbekommen habe, dass der ältere Bruder von  CiA-201402meinem damals besten Freund geraucht hat. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass Cannabis ein voll gefährliches Teufelszeug ist, das nur von Junkies geraucht wird. So ungefähr hatten es mir ja auch die Lehrer in der Schule bei der Drogenprävention erklärt. Da der ältere Bruder von meinem Kumpel aber ein ganz ordentlicher Kerl war, konnte das aber irgendwie nicht stimmen. Ein anderer, über den ich wusste, dass er Gras raucht, war sogar ein Einser-Schüler. Ich wurde also skeptisch, und damit wurde wahrscheinlich zeitgleich auch mein Interesse am Hanf geweckt. Auf jeden Fall sind dann mein Freund und ich immer dann, wenn sein älterer Bruder nicht da war, in sein Zimmer und haben von seiner Pflanze ein paar Blätter abgemacht, diese zum Trocknen auf die Heizung gelegt und dann geraucht. Wir wussten ja noch nicht, was genau von der Pflanze geraucht wird (lacht). Zu dieser Zeit hatte ich auch noch kein Internet, und demnach war es da auch noch echt schwer, sich einen objektiven Zugang zur Thematik zu verschaffen. Der ältere Bruder hat nach einer kurzen Zeit jedenfalls gemerkt, dass seine Pflanze immer weniger Blätter trägt. Natürlich hat er Verdacht geschöpft und uns darauf angesprochen. Mit Angstschweiß auf der Stirn haben wir unsere Schuld gestanden und der Bruder hat sich daraufhin kaputtgelacht. Daran erinnere ich mich noch sehr gut. Naja, der war wie gesagt ein ordentlicher Kerl, und er hat uns dann mit in sein Zimmer genommen und uns alles erklärt. Mit Lachtränen in den Augen hat er uns dann auch gesagt, dass es wenig Sinn macht, wenn man nur die Blätter raucht. Die Blüten wären zum Rauchen viel interessanter, meinte er, und noch am selben Tag habe ich das erste Mal, zusammen mit meinem Kumpel und dessen Bruder, richtig geraucht, oder passender ausgedrückt habe ich das erste Mal das Richtige geraucht (lacht).

Wie warʼs?

Ich habe eine Bong geraucht und demnach war es wirklich heftig. Aber gut.

Und wie ging es dann weiter? Hast du dir mit 14 Jahren schon einen regelmäßigen Konsum angewöhnt?

Nein, nein. Das ging schrittweise. Am Anfang, würde ich sagen, war das weniger als einmal pro Monat. Wenn sich mal die Gelegenheit ergeben hat oder der Bruder von meinem Kumpel uns eingeladen hat, habe ich mitgeraucht. Erst ein wenig später, so mit Fünfzehn, habe ich dann angefangen, für Partys oder Chillabende bei Freunden selbst etwas zu holen. Kurze Zeit später habe ich mir dann einen regelmäßigen Konsum angewöhnt.

Hat die Schule unter deinem Cannabiskonsum gelitten?

Aus der damaligen Perspektive hat die Schule natürlich nicht darunter gelitten. Heute würde ich sagen, dass die Schule definitiv darunter gelitten hat. Erste Priorität, wenn ich nach Hause kam, hatten nicht die Hausaufgaben, sondern das Rauchen. Das ging natürlich nicht zu Hause, also bin ich mit meinen Kumpels zum Rauchen irgendwo aufs Feld gegangen. Erst wenn ich abends wieder heimkam, habe ich Hausaufgaben gemacht. Mit 17 haben wir dann angefangen, in der Schule zu rauchen. Da ich nur fünf Minuten Fußweg von der Schule entfernt gewohnt habe, konnten meine Kumpels und ich, natürlich nur wenn meine Mutter nicht zu Hause war, noch schnell zu mir, und jeder hat ʼne Bong geraucht. Pünktlich zum Unterricht ging es wieder zurück. Dann haben wir natürlich im Unterricht gehockt und waren nicht mehr richtig bei der Sache. Rückblickend kann ich zwar sagen, dass meine Schulzeit dadurch echt witzig war. Ich kann auch nicht behaupten, dass ich nur sehr ungern in die Schule gegangen bin, aber wirklich produktiv waren die letzten Jahre nicht. Wichtig ist aber, dass ich trotz der Raucherei gut durchgekommen bin. Hätte ich nicht geraucht, wäre ich vielleicht ein besserer Schüler gewesen, aber das ist jetzt auch nur reine Spekulation.

Und wie haben deine Eltern damals reagiert, als sie erfahren haben, dass du Cannabis konsumierst?

Meine Mutter war entsetzt und hat sich Selbstvorwürfe gemacht. Als sie dann aber mitbekommen hat, wer sonst alles Cannabis raucht, ohne dadurch Schwierigkeiten zu bekommen, hat sich die Situation nach und nach verbessert. Heute hat sie überhaupt keine Probleme mehr damit. Sicher würde sie sich wünschen, dass ich damit aufhöre, aber sie akzeptiert es. Mein Vater hingegen ist von Anfang an sehr entspannt mit meiner Raucherei umgegangen. Wenn ich ihn heute besuche, hat er auch kein Problem damit, wenn ich in seiner Wohnung rauche. Mit dem konnte ich von Anfang an völlig offen darüber sprechen.

Text und Fotos: Hannes Schinder

Das ganze Interview könnt Ihr jetzt in Ausgabe 02/2014 der thcene lesen.