Gentleman-A new day dawn

30. April 2013 um 06:19

Vor Kurzem erschien mit „New Day Dawn“ das sechste Studioalbum des mittlerweile 38-jährigen Kölners, der nach 20 Jahren im MusikgeGentlemanschäft zu einem internationalen Reggae-Headliner avancierte. „New Day Dawn“ ist das bisher persönlichste Gentleman-Album voll eingängiger, mal kraftvoll-dynamischer, mal entspannt-dubbiger Tracks zwischen Roots-Reggae und Elektro-Dancehall, die einem ganz schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Wir trafen den sympathischen Ausnahmekünstler in einem Kreuzberger Apartment und nutzten die Gelegenheit, mit ihm ein ausführliches Gespräch über sein neues Album, Politik und Religion zu führen. Und natürlich wollten wir auch wissen, warum er nicht mehr „dampft“ und was er heute (noch) von Cannabis hält.

Warum klingt der Titel deines neuen Albums so nach bewusstem Neuanfang? Hat sich denn so viel in den letzten Jahren verändert?

Einen Neuanfang erlebt man doch an jedem neuen Morgen – das ist genau das Thema, das ich damit anschneiden wollte. Denn du hast ja Tag für Tag aufs Neue die Möglichkeit, Sachen mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – das ist oft nur eine persönliche Entscheidung. Das Jahr 2012 war für mich persönlich ein ziemlich beschissenes Jahr. Aber das auch nur wieder aus einer bestimmten Perspektive gesehen – was ja wie gesagt Gentleman-2auch immer eine Frage der persönlichen Entscheidung ist. Ich hatte irgendwann einfach keinen Bock mehr auf die ganzen „bad news“ und habe mich gleichzeitig an dem Spagat versucht, einerseits keinen Bock mehr auf schlechte Neuigkeiten zu haben, andererseits die Welt aber auch nicht durch eine rosa Brille zu sehen. Denn natürlich läuft in der Welt so einiges schief und es gibt noch viel zu viel Ignoranz – irgendwie scheinen wir unsere Fehler immer aufs Neue zu wiederholen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr gesellschaftliche Strömungen, die mir auch Hoffnung machen. Schließlich sind wir mittlerweile im Jahr 2013 und wir sind immer noch da. Und wir haben durch das Medium Internet heute Möglichkeiten, die wir so vorher noch nicht hatten. Ich glaube, die größte Herausforderung im „New Day Dawn“ ist es, damit richtig umzugehen. Dass wir es nutzen, um Sachen zu verändern und gleichzeitig darauf achten, dass wir uns nicht darin verlieren und die existenziellen Fragen dabei nicht verloren gehen. Denn das ist dabei auch ein bisschen meine Sorge, die ich auch in meiner Single „You Remember“ verarbeitet habe: Ich selbst vermisse schon einige Dinge aus meiner Vergangenheit, obwohl ich viele Sachen aus der Gegenwart durchaus schätze. Aber ich vermisse in unserer schnelllebigen, globalisierten Welt ein bisschen das Persönliche – und doch bin ich froh, hier und jetzt im Jahr 2013 zu sein.

Text: Martin Müncheberg

Fotos: Pascal Bünning

Das Ganze Interview könnt Ihr in Ausgabe 03/2013 der Thcene lesen.