protokumpel

5. Januar 2013 um 11:56

13 protokumpel_201301Logan Zufall und tim phonic prallten bei einer Partyschlägerei aufeinander und beschlossen im anschließenden Polizeiarrest, sich von da an nur noch musikalisch die Fresse zu polieren. Ihre Musik-Mische voll tanzbarer Beats und schweißtreibender Arrangements wird durch amüsante deutsche Texte von intelligenter Lässigkeit befeuert und mutiert mit der Zeit zu hochwirksamen Killertracks, die einem einfach nicht mehr aus dem Schädel gehen.Noch kann man protokumpel als absoluten Geheimtipp bezeichnen, denn obwohl ihre Tracks auch schon mal im Radio laufen, sind sie vom kommerziellen Erfolg noch weit entfernt. So war es dann auch gar nicht so schwer, die Kumpels zu einem ausführlichen Interview zu überreden. Wir trafen die zwei in einem Café in Moabit und bröselten erstmal einen an.

Auf die Gefahr hin, dass ihr diese Frage eigentlich schon gar nicht mehr hören könnt: Wie kamt ihr eigentlich auf den Bandnamen?

tim: Uns war wichtig, dass unser Name verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bietet: So kann man beispielsweise das „proto“ vor „Kumpel“ als etwas noch nicht ganz Ausgereiftes sehen – da kann es dann auch unter Kumpels schon mal Konflikte um den richtigen Weg geben. Man kann „proto“ aber auch als Vorläufer oder Vorreiter von irgendetwas Neuem verstehen.

Logan: Genau, wie zum Beispiel „Proto-Punk“ – da wurde ja auch eine Welle losgetreten. Aber letztendlich ist das ganz einfach eine Wortschöpfung, die sich für uns beide ganz cool anhörte.

tim: Richtig, das ist halt ein geiler Name. Und wer den richtig begriffen hat, wird ihn auch nicht wieder so leicht vergessen.

Logan: Und wenn man ihn googelt, dann landet man ganz automatisch bei uns – das Wort ist wirklich einzigartig.

Wie habt ihr zwei euch kennengelernt?

Logan: Das war eine eher unschöne Begebenheit: Wir sind auf einer Party aneinandergeraten…

tim: Logan ist nämlich manchmal ganz schön aggressiv…

Logan: Vor allem, wenn es um Frauen geht. Jedenfalls artete das dann ganz schön aus und ging so weit, dass der Partyveranstalter die Bullen rief…

tim: Die waren auch nicht gerade zimperlich…

Logan: Es endete damit, dass wir dann beide in einer Wanne gelandet sind und nach einer Weile auch festgestellt haben: „Okay, ich wollte dem Typen da zwar gerade mitten in die Fresse hauen, aber irgendwie ist der ja doch gar nicht so Scheiße…“

tim: Tja, so sind wir aufeinander gestoßen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wann war das?

tim: Das war im Juli 2009 – danach haben wir uns ein paar Mal zum Songbasteln getroffen. Live sind wir dann ab dem 12. Dezember 2009 in Erscheinung getreten – da war unser allererster Gig im „Lovelite“ in Berlin-Friedrichshain.

Wo seht ihr eure musikalischen Wurzeln?

Logan: Meine liegen ganz eindeutig im Punk – ich bin mit Bands wie den „Ramones“ oder den „Sex Pistols“ im Nordwesten Berlins aufgewachsen und wurde so quasi musikalisch sozialisiert. Punk war in Reinickendorf aber auch mächtig angesagt. Ich habe dann auch in einer ganzen Reihe von Punkbands gespielt, aber je älter ich wurde, desto mehr verstand ich es, auch über den Punk-Tellerrand hinwegzusehen und öffnete mich zunehmend auch gegenüber anderen Spielarten der Musik. Als Teenie ging es mir sicher auch ein Stück weit darum, mich über diese Musik zu definieren – alles außer Punk war halt Scheiße. Inzwischen ist mein Musikgeschmack deutlich breiter geworden.

tim: Also ich war schon immer breit. Ich habe sehr früh Blockflöte und etwas später Trompete gespielt – da hatte ich gerade erst meine Schneidezähne wieder. Dementsprechend begegnete mir der Punk erst verhältnismäßig spät – schließlich komme ich ursprünglich aus der westfälischen Provinz, und da musste ich dann oft auch Blasmusik spielen. Auch wenn ich die eigentlich nie besonders gemocht habe. Bei mir gab es dann in der Jugend ganz wechselnde Lieblinge, angefangen von Hendrix über Queen, dann kamen Suicidal und Pantera, ich mochte aber auch noch Jazz und Klassik – ich bin da halt recht breit aufgestellt.

 

Das ganze Interview könnt Ihr in Ausgabe 01/2013 der Thcene lesen.

Text und Fotos: Martin Müncheberg