Alpine Seeds: Multi Testgrow mit OG.Kush und Sweet Tooth 3 BX1

8. Januar 2012 um 03:33

Wir haben in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal über Alpine-Seeds und ihre Strains berichtet.

Heute wollen wir die zwei neuen Sorten des in Spanien ansässigen schweizer Breeder Kollektivs vorstellen und unter die Lupe nehmen. Beim ersten neuen Release handelt es sich um eine reguläre OG.Kush Version, die durch verschiedene Kreuzungen, eine Menge Inzucht und weitere Selektionen als IBL angeboten wird. Der zweite neue Strain ist eine Sweet Tooth #3 Variante, welche auf der Grundgenetik der erfolgreichen und gleichnamigen „Spice of Life“ Sorte basiert.

Text und Fotos: Mr. CalyX

Alpine-Seeds wurde Anfang 2010 von vier langjährigen und erfahrenen Growern ins Leben gerufen. Ihr Grundstock basiert auf vielen Schweizer Genetiken, die nach der grossen Repression im Jahr 2002 gesichert werden konnten.

Auch ein alter „Herbaria-Seeds“ Breeder hat sich dem Kollektiv angeschlossen und steht ihm mit Rat und Tat zu Seite.

Neben den alten Schweizer Sorten arbeitet Alpine-Seeds auch mit einigen US-Genetiken und Clone-Only Strains, die in unseren Breitengraden teilweise nicht ganz so bekannt sind aber in ihrer Qualität den hiesigen holländischen Strains in nichts nachstehen.

Die sehr junge Seedbank konnte sich mit Ihrer Philosophie und der Qualität ihrer Sorten in sehr kurzer Zeit auf dem Samenmarkt positionieren und etablieren. Das Kredo von AS lautet: „gute Genetiken – zu fairen Preisen“. Ob dies bei den beiden neuen Sorten auch wirklich der Wahrheit entspricht, wollen wir mit unserem heutigen Growreport herausfinden.

Dem Grower „DSL“ standen zehn Samen der regulären „SweetTooth#3 BX1“ zur Verfügung. Von der „OG.Kush-Lemon Larry IBL“, die den feminisierten „OG.Kush-Mix“ ersetzt, bekam er 15 Samen von Alpine-Seeds.

Diese IBL basiert auf einer älteren „OG.Kush-Lemon Larry F1“ aus dem Hause „Elite Genetics“. Aus dieser regulären F1-Generation wurden jeweils zwei Male und Female Pflanzen selektiert. Diese vier Lemon Larry bilden noch heute die Grundgenetik aller Alpine OG.Kush Versionen.

Von den besagten vier Pflanzen wurde der beste weibliche Cut und der beste Male miteinander gekreuzt, um eine F2-Generation zu produzieren. Samen von dieser ersten Inbreed Generation fanden den Weg zu ein paar privaten Testern. Unter ihnen war auch ein Grower aus Österreich, der die F2 Linie selektierte, wieder miteinander kreuzte und die entstandene F3-Generation ausführlich testete. Auch die F3-Generation wurde von ihm auf die typischen „Lemon Larry“ Phänos selektiert und anschliessend wieder per Inbreed gekreuzt. Erst die F4 Samen gingen wieder zu Alpine-Seeds, die aus dieser vierten Inbreed Generation erneut die besten zwei Pflanzen selektierten und eine F5-Linie herstellten.

Die entstandene F5 wurde ausführlich getestet. Gleichzeitig wurde die beste männliche Pflanze gesichert und mit der ersten „OG.Kush-Lemon Larry“ aus dem selektierten „Elite Genetics“ Batch (P1) rückgekreuzt. Diese entstandene Linie ist das, was Alpine-Seeds Mitte November veröffentlicht hat. Die Arbeit von über drei Jahren, unzähligen Testreihen und Selektionen, doch laut „MoD“, dem Breeder der OG.Kush-Lemon Larry, ist die Zuchtarbeit noch lange nicht abgeschlossen. Laut Alpine-Seeds wird es weitere Inzuchtlinien und Rückkreuzungen geben, denn erst wenn es eine 100% stabile, und typische Lemon Larry gibt, ist das ausgegebene Zuchtziel erreicht.

OG Kush (Lemon Larry)

Von den 15 gesetzten Samen keimten 14 Seeds nach vier Tagen. Drei weitere Tage später konnten die kleinen Keimlinge in 3.5 Liter Tekus gepflanzt werden, wo sie unter 18 Stunden Licht zwei Wochen wachsen sollten.

Die kleinen Pflanzen wuchsen sehr schnell und kräftig heran, hatten zu Beginn aber eine grosse Ähnlichkeit mit einem typischen Indica Strain, da die Blattform noch nicht wirklich einer mostly Sativa glich. Nach der zwei wöchigen Vegitativphase hatten die Lemon Larry Pflanzen eine Höhe von ca. 20cm erreicht. Da der Strain doch sehr Sativa dominant sein soll und auch das Wachstum entsprechend zügig voran ging, wurde die Photoperiode von 18/6 Stunden auf 12/12 Stunden reduziert.

Nach zehn Tagen konnte man bei einigen Pflanzen das Geschlecht erkennen und so wurden sieben männliche OG.Kush aus der Growkammer entfernt. Nur kurze Zeit später outeten sich auch die weiblichen Pflanzen und begannen mit einer gesteigerten Griffelbildung. Die 3.5 Liter Tekus wurden nun durch 11 Liter fassende Töpfe mit Composana Erde ersetzt.

Die sieben weiblichen Pflanzen konnte man wirklich als sativadominant beschreiben, denn das Wachstum, das sie in den folgenden 14.Tagen zeigten war echt erstaunlich. Täglich legten die weiblichen Lemon Larry einige Zentimeter zu und hatten am Ende der Streckung eine Grösse von ca. 110cm erreicht, wobei alle Pflanzen am Ende des Grows über 130cm hoch waren.

In der Mitte des Grows machten sich auch langsam die Unterschiede zwischen den Pflanzen bemerkbar. Hier muss ich allerdings dazu sagen, das alle sieben Damen sehr homogen und einheitlich waren. Verschiedene Phänos sucht man vergebens, vielmehr liegen die Unterschiede nur in der Blattform, die bei einigen Pflanzen eher Sativa ähnlich und bei anderen typisch Indica waren. Auch die Höhe kann um wenige Zentimeter variieren, dies kann aber auch durch andere Faktoren verursacht worden sein. Die wichtigen Eigenschaften wie Harzbesatz, Blüten und Wuchsstruktur, Blütedauer, Ertrag und das Aroma waren bei allen Pflanzen gleich.

Am 44. Blütetag war der Höhepunkt der Blütenbildung erreicht, überall entwickelten sich neue Griffel und Blütenkelche, die über und über mit einer dicken Schicht Harz besetzt waren. Auch die angrenzenden Blütenblätter waren mit vielen Trichomen übersät und glitzerten im Schein der 400W NDL. Das Aroma konnte man zu diesem Zeitpunkt als würzig und zitronig beschreiben, ich kann aber vorweg nehmen, dass sich das bis zur Ernte noch verändern sollte …

Die sieben OG.Kush konnten zwischen dem 68. und 75. Blütetag geerntet werden. Die mit Harz besetzten Blüten waren kompakt und fest, der Ertrag liegt bei diesem Strain deutlich über dem des OG.Kush-Mixes und kann mit ca. 40g Trockengewicht pro Pflanze als gut bezeichnet werden. Das spezielle und besondere an dieser OG.Kush ist aber das Aroma und der Geschmack der getrockneten Blüten. Beim ersten Zug schmeckt man das intensive Kush typische Aroma, welches in einen zitronigen und leicht Diesel artigen Ton übergeht. Beim ausatmen breitet sich wieder ein Kush Nachgeschmack im Mundbereich aus, dieser Aftertaste bleibt sehr lange erhalten und wird durch einen neuen Zug am Tütchen nur noch verstärkt. Ein wirklich einzigartiges Aroma, das auch durch zwei-drei Ziplock Beutel noch deutlich zu riechen ist. Auch für den Grow empfiehlt sich ein guter und funktionierender Aktivkohlefilter, denn die Intensität des Geruches ist wirklich sehr, sehr stark.

Die Wirkung setzt erst richtig nach 5-10 Minuten ein. Zuerst spürt man ein leichtes Up-High, welches nach einer Weile in ein starkes trippiges stoned wechselt. Für medizinische User sicher ein interessanter Strain, genauso wie für Hobbybreeder und Züchter.

Das Fazit fällt hier durchweg positiv aus. Die OG.Kush-Lemon Larry IBL kann auf jeden Fall mit den Top Sorten mithalten und punktet ganz klar mit einem besonderen Aroma, einem überdurchschnittlichen Harzbesatz, einer starken Potenz und einem grossen Breeding Potenzial.

Zum Kauf berechtigte Personen dürfen zehn regulär Samen in Seedshops oder bei Resellern käuflich erwerben. Wir werden diese Genetik definitiv im Auge behalten und ich persönlich bin sehr gespannt was Alpine-Seeds noch weiter verbessern will. Einige Grower haben die OG.Kush-Lemon Larry auch im Outdoorbereich erfolgreich getestet. Diese Grows fanden in einem milden Klima statt aber auch in Teilen der Schweiz, Spanien oder in Österreich soll der Strain gute Ergebnisse liefern. Die Reife kann sich zwar bis Ende Oktober hinziehen aber die extrem gute Schimmelresistenz lässt die Pflanzen auch bei kalten und feuchten Wetter voll ausreifen.

Sweet Tooth#3

Die zweite Sorte die Grower „DSL“ testen konnten, basiert auf einem wirklichen „All Time Favorite“ Strain, der legendären „SweetTooth#3“ von der Seedbank „Spice of Life“ und Breeder Steve.

Die Grundgenetik dieser Variation stammt von einem weiblichen Steckling, der vor vielen Jahren von einem Alpine-Seeds Member selektiert wurde. Dieser Steckling besitzt einen sehr hohen Harzbesatz, das typisch fruchtige Aroma und eine starke Potenz, welche den Steckling geradezu ideal zum kreuzen macht.

Als männliches Gegenstück kam eine neu selektierte „Chemdog dd“ Pflanze zum Einsatz. „Chemdog dd“ ist eine reguläre Kreuzung aus dem sagenumwobenen Chemdog Clone und einer East Cost Sour Diesel IBL, welche auch schon von „Elite Genetics“ in der „OG.Kush-Lemon Larry“ Verwendung fand.

Die neue F1-Generation aus „Sweet Toot#’3“ und „Chemdog dd“ wurde auf einen möglichst nahen „Sweet Tooth#3“ Phänotyp selektiert.

Mit dieser männlichen Pflanze führte Alpine-Seeds eine Rückkreuzung mit dem weiblichen „Sweet Tooth#3“ Steckling durch, die „Sweet Tooth#3 BX1“ war geboren.

Bei der „Sweet Tooth3 BX1“ ging die Keimung ähnlich schnell wie bei der „OG.Kush-Lemon Larry IBL“. Nach fünf Tagen durchbrachen die ersten Keimlinge die oberste Erdschicht und konnten anschliessend gleich mit einer 250W MHL beleuchtet werden. Da dieser Strain etwas Indica dominanter ist und dementsprechend kompakter wächst, gab es für die zehn kleinen Pflänzchen eine Wachstumszeit von drei Wochen, eine Woche länger als die OG.Kush bekommen hatte.

Die Pflanzen wuchsen von Beginn an sehr kräftig und vital, bei kurzen Nodienabständen und breiten, auffällig grob gezackten Blättern. Nach der dreiwöchigen Vegetativphase wurde es Zeit die Blüte einzuleiten und die Lichtphase auf den 12/12 Stunden Rhythmus zu verkürzen. Schon zu Beginn der Blütezeit konnte man drei verschiedene Phänotypen ausmachen. Diese Aufspaltung ist bei einer ersten Rückkreuzung normal. Man gibt Genetiken so eine bestimmte Richtung vor, in die sie bei weiterer Zuchtarbeit gehen soll. Im Falle von Alpine-Seeds SweetTooth#3 BX1 ist das, wie man sich schon denken kann, die SweetTooth#3 von Spice of Life.

Doch zurück zum eigentlichen Report. Zwischen dem achten und zwölften Blütetag gaben sich vier männliche Pflanzen zu erkennen, sie wurden darauf hin gleich aus dem Growraum entfernt. Die sechs verbleibenden weiblichen ST#3 BX1 kamen anschliessend in mit Composana gefüllte 11 Liter Töpfe. In den kommenden Tagen wuchsen die Damen täglich mehrere Zentimeter und legten nach und nach ihr Indica dominantes Wachstum ab. Die gesamte

Wuchsstruktur veränderte sich mehr und mehr Richtung Sativa, wobei auch klare Indica Merkmale und Eigenschaften sichtbar blieben.

Die Streckung könnte man am besten mit einem 50/50 Indica/Sativa Hybrid beschreiben. Auch die Blüten und Harzbildung legte unverkennbar zu. Schon in dieser sehr frühen Blütephase waren die noch kleinen Buds mit einer prächtigen Schicht aus Trichomen überzogen. Das Aroma war zu diesem Zeitpunkt schwer zu beschreiben. Es gab einen deutlich süssen, leicht fruchtigen Geruch aber auch das intensive und würzige Chemdog Aroma war klar auszumachen. Die nächsten Wochen verliefen ohne Probleme, der Harzbesatz nahm weiter zu und auch die Blüten wurden stetig grösser und mussten gegen Ende sogar gestützt werden. Vor allem ein Phänotyp fiel sofort ins Auge, da er wirklich eine enorme Menge an Blütenkelchen ausbildete. Die fünf anderen weiblichen Pflanzen brachten zwar auch einen sehr guten Ertrag aber an dieses Ertragswunder kamen sie nicht heran. Das Trockengewicht pro Pflanze liegt im Schnitt bei 40-50g feinsten Blüten von sehr hoher Qualität.

Der Harzbesatz war bei allen SweetTooth#3 BX1 Pflanzen stark ausgeprägt und auch der Geruch ging gegen Ende mehr in Richtung süss und intensiv fruchtig, eben typisch SweetTooth#3.

Die Blütenstruktur war dagegen nicht ganz so hart und kompakt aber auch nicht fluffig und luftig, es ist eher eine gute Mischung aus beiden Merkmalen. Nach einer Blütezeit von 68.Tagen konnten die Damen geerntet werden. Bei einer Pflanze gab es in der Hauptblüte eine kleine Schimmelstelle die grosszügig entfernt wurde. Alpine-Seeds empfiehlt bei diesem Strain sehr auf die Luftfeuchte und die Giessmenge am Ende der Blüte zu achten, die Pflanzen vielleicht sogar zu Beginn der Blüte zu beschneiden. Die Buds sind nicht hart, aber sie sind doch sehr dicht gestaffelt und in Kombination mit einem grossen Headbud und einer nicht ganz optimalen Luftfeuchte kann die Schimmelgefahr natürlich ansteigen.

Nach einer Trocknungsphase von zwei Wochen konnte die erste Rauchprobe genommen werden. Der Geschmack ist süsslich/fruchtig mit einer kleinen intensiven Chemdog Note aber das Grundaroma kann als sehr SweetTooth#3 ähnlich beschrieben werden.

Die Wirkung ist stark und Indica betont, kein Couchdrücker aber ein Turn der auch den geübten Raucher auf die Bretter schicken kann. Wie die Lemon Larry hat auch die SweetTooth#3 BX1 ein grosses medizinisches Potenzial und kann als Schmerzstiller oder in kleinen Dosen auch als Muskelrelaxanzie eingesetzt werden.

DSL´s2 und mein Fazit: Eine sehr gute Genetik mit viel Potenzial. Laut Alpine-Seeds wird zur Zeit ein zweiter Backcross zur SweetTooth#3 getestet, man darf also noch sehr gespannt sein was in Zukunft noch passiert und wie weit dieser Strain verbessert und stabilisiert wird.

Alpine-Seeds haben mit diesen beiden neuen Sorten an die hohe Qualität angeknüpft, die sie mit ihren bisherigen Kreuzungen vorgegeben haben.

Mr. Calyx